Die Errungenschaften der Revolution von 1848 ermöglichten Juden freie Niederlassung und in der Folge auch eine Gemeindegründung. Die jüdischen Einwanderer kamen aus Böhmen, Mähren und Westungarn (heute Burgenland) nach Niederösterreich, sie sprachen Deutsch und waren religiös traditionell, aber nicht orthodox. 

1863 wurde die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) St. Pölten offiziell gegründet. Ihr Einzugsgebiet reichte von Traismauer im Norden bis St. Aegyd am Neuwald im Süden und von Krummnußbaum im Westen bis Hadersdorf-Weidlingau im Osten. 

1938 hatte die IKG St. Pölten ungefähr 800 Mitglieder, rund 400 von ihnen lebten im St. Pöltner Stadtgebiet. Etwa 370 Jüdinnen und Juden oder von den NS-Gesetzen als solche Kategorisierte wurden in der Schoah ermordet. Nach dem Krieg kehrten nur wenige Familien nach St. Pölten zurück, zu einer Neugründung der Gemeinde kam es nicht mehr. Heute leben nur noch zwei jüdische Menschen in der Stadt.