Neue Synagoge

Errichtung/Datum: 1913 Einweihung
Personen: Theodor Schreier und Viktor Postelberg (Architekten), Rabbiner Dr. Adolf Aron Schächter (Obmann des Tempelbauvereins)
Baugeschichte: 1907 Gründung des Tempelbauvereins, 1912 Baubeginn,
Einweihung am 17. August 1913
NS-Zeit: 1938 geplündert und Innenraum zerstört, Nutzer/Besitzer in Folge: SA-Standarte 21 (bis 1941), Stadt St. Pölten (bis 1945), Rote Armee, 1947 Rückgabe an die Stadt St. Pölten
Rückstellung: 1954: an die IKG Wien als Rechtsnachfolger der IKG St. Pölten
Renovierung: 1980–1984; 1984 Neueröffnung
Seit 1988: Sitz des Instituts für jüdische Geschichte Österreichs
Adresse: Schulpromenade, heute Dr. Karl Renner-Promenade 22


Geschichte der Synagoge im Überblick

Die St. Pöltner Juden hielten ihre Gottesdienste zunächst in einem als Bethaus adaptierten Raum der damaligen Gasser-Fabrik ab. Von 1885 bis 1913 diente ein Gebäude an der Schulpromenade, heute Dr. Karl Renner Promenade, westlich des jetzigen Standorts, als Synagoge. Ab 1888 war die Kultusgemeinde um einen Neubau bemüht, am 7. April 1907 konstituierte sich zu diesem Zweck ein Tempelbauverein.

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Am 20. Juni 1912 wurde nach den Entwürfen der Architekten Theodor Schreier und Viktor Postelberg mit dem Bau begonnen und am 17. August 1913, dem Vorabend des Geburtstags von Kaiser Franz Josef, fand die feierliche Eröffnung statt. 

Nach dem Novemberpogrom 1938 diente die Synagoge als Möbellager. Die Nationalsozialisten planten, das Gebäude »auf Kosten des Judenkapitals« abzureißen, das Kantorhaus zu renovieren und an eine Gliederung der Partei abzutreten. Vermutlich deshalb zog im Mai 1940 die SA-Standarte 21 in das Kantorhaus ein. Im Jahr 1942 diente die Synagoge als Auffanglager für »russische Zivilpersonen«, die als Zwangsarbeiter eingesetzt waren. 1945 wurde das Gebäude zusätzlich durch Bombenangriffe beschädigt, sodass sich sein baulicher Zustand weiter verschlimmerte.

Nach Kriegsende war die Synagoge Möbellager, Getreidespeicher und Taubenschlag. Das Kuppeldach zeigte schwere Schäden und einzelne Bauteile drohten einzustürzen. Durch die demolierten Fenster drangen Regen und Schnee ein. Nach Abrissplänen Ende der 1970er Jahre stellte das Bundesdenkmalamt das Bauwerk unter Denkmalschutz.

Von 1980 bis 1984 wurde die Synagoge soweit wie möglich originalgetreu renoviert und dient nun als Gedenkstätte und Veranstaltungsraum. Im Kantorhaus befindet sich seit 1988 das Institut für jüdische Geschichte Österreichs. Diese Synagoge ist neben Baden/Wien die einzige in Niederösterreich. Die Besichtigung ist wochentags zwischen 9:30 Uhr und 13 Uhr oder nach Absprache mit dem INJOEST möglich. weniger... ]

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Baugeschichte im Detail: Vom Plan zur Einweihung

Der Synagogenbau von St. Pölten zählte zu den bedeutendsten Sakralbauten seiner Zeit. Er wurde von Theodor Schreier gemeinsam mit seinem Kompagnon Viktor Postelberg geplant. Theodor Schreier wurde am 8. Dezember 1873 in Wien geboren und arbeitete von 1899 bis 1906 mit dem Wiener Architekten Ernst Lindner in einem Atelier. 1943 wurde Schreier nach Theresienstadt deportiert und starb dort nach dem 21. Mai.

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Zur Finanzierung des Synagogenbaus führte der Kultusgemeindevorsteher Albert Leicht zwei Spendenaktionen durch: die Versendung von Ansichtskarten der neuen Synagoge und den Verkauf von Gebetbüchern. Insgesamt betrugen die Kosten für den Neubau samt Inneneinrichtung 141.390 Kronen. Mehr als die Hälfte dieser Summe wurde durch private Spenden aufgebracht. Auf dem Toraschrein prangt eine goldene, auf Deutsch in hebräischen Buchstaben verfasste Inschrift: »Gespendet vom Frauenverein St. Pölten«. Das Ehepaar Siegfried und Bertha Schwarz spendete für ein buntverglastes Fenster in Form eines Davidsterns 160 Kronen. Wie alle anderen prächtigen farbigen Synagogenfenster ist es nicht mehr erhalten.

Im April 1912 beantragte Rabbiner Schächter, dass entsprechend den religiösen Vorschriften an den jüdischen Feiertagen nicht am Bau der Synagoge gearbeitet werde. In einer Abstimmung entschied sich die IKG einstimmig gegen Bauarbeiten an Samstagen und Feiertagen, obwohl daraus erhebliche Mehrkosten entstanden. Am 20. Juni 1912 begann die Bautätigkeit.

Als Ausdruck der Verehrung für Kaiser Franz Josef I. – man überlegte sogar die Aufstellung einer Kaiserbüste im Vorraum der Synagoge – fand die Eröffnung am Vorabend des Kaisergeburtstags statt. Die musikalische Gestaltung übernahmen neben dem St. Pöltner Kantor Philipp Wolf Rabinowitsch der Oberkantor der IKG Wien, Don Fuchs, und der Chor der Wiener sefardischen Gemeinde. Zum Abschluss wurde selbstverständlich die Kaiserhymne gesungen.

Bei der feierlichen Eröffnung waren zahlreiche geistliche und weltliche Würdenträger anwesend. Vertreter der katholischen Kirche blieben jedoch fern, und die stark katholisch orientierte und antisemitische »St. Pöltner Zeitung« erwähnte das Ereignis nicht.

Im Juni 1923 verschönerte die Gemeinde den Innenraum durch einen prächtigen Art Deco-Luster. weniger... ]

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Spendenliste Tempelbauverein

Spendenliste Tempelbauverein vom 21. Jänner 1908 mehr... ]

NAME, ORT: ZEICHNUNG

Baron v. Rothschild, Wien: 5000
Leopold Reiniger, St. Pölten: 3000
Sigmund Allina, St. Pölten: 2000
Albert Leicht, St. Pölten: 2000
Siegfried Schwarz, St. Pölten: 1000
Wilhelm Fischl, St. Pölten: 1000
Bernhard Kohn, St. Pölten: 1000
Simon Placzek, St. Pölten: 500
Ad. Reiss & Sohn, St. Pölten: 500
Karl Frank, Viehofen: 500
Rud. Frank, Viehofen: 500
Samuel Mandl, St. Pölten: 500
Josef Schwarz, Wien: 500
Richard Lustig, St. Pölten: 300
Moritz Reiss, St. Pölten: 250
Heinrich Gelb, St. Pölten: 200
Elisabeth Allina, St. Pölten: 200
Katharina Frank, St. Pölten: 200
Herm. Schanzer & Sohn, Pöchlarn: 200
Isidor Kreidl, St. Pölten: 300
Julius Kohn , St. Pölten: 120
Michael Lang, St. Pölten: 100
Sig. Allina jun., St. Pölten: 100
Hermann Krauss, Graz: 100
Rosalia Schwarz, St. Pölten: 100
Max Kubin , Herzogenburg: 120
Ignatz Wellisch, Wiesenfeld: 120
Karl Bergler, St. Pölten: 120
Bernhard Wulkan, St. Pölten: 100
J. Körner, St. Pölten: 100
Dr. Ad. Schächter, St. Pölten: 100
Samuel Hacker, Stattersdorf, 100
Samuel Gelb, St. Pölten: 100
Albert Allina, St. Pölten: 100
Karl Bondy?, St. Pölten: 100
Daniel Kerpen, St. Pölten: 100
Eduard Frischer, St. Pölten: 100
Leopold Reiss, St. Pölten: 100
Max Frank, St. Pölten: 100
Philip Leitner, Hainfeld: 40
Dr. Mich. Chilf, Hainfeld: 100
Heinrich Spitz, Wilhelmsburg: 100
Julius Wellisch, Harland: 60
Leop. Frischmann, Hohenberg: 30
Brüd. Lichtenstern, Wilhelmsburg: 100
Karol. Lichtenstern, Wilhelmsburg: 100
J. Brumlick, Bischofstetten: 100
Max Neumann, Markersdorf: 100
Moritz Lederer, Loosdorf: 100
Alois Brumlick, Loosdorf: 100
Max Singer, Herzogenburg: 30
Alois Singer, Neuda: 50
Samuel Tiger, Brunn: 40
Josef Bock, Wimpassing: 80
Max Fürnberg, Weinburg: 40
Josef Bichler, St. Pölten: 10
Adolf Gorge Dir., Unter - Radelberg: 25
Hugo König, Unter - Radelberg: 5
Philipp Sinek, Radelberg: 10
S. Soffer, Neulengbach: 20
Leop. Einöhrl, Neulengbach: 20
Ignatz Holub, Neulengbach: 10
D. Frischer, ?: 10
Heinr. Plazek, Purkersdorf: 10
Simon Koblitz, Purkersdorf: 10
Wilh. Spitz, Pressbaum: 10
Rud. Vrkoc, Pressbaum: 10
Samuel Leitner, Neulengbach: 5
Jos. Weiner & Sohn, Melk: 20
Heinrich Hacker, St. Pölten: 100
Adolf Frischmann, Schrambach: 50
Eduard Zappert, Hainfeld: 50
Brüder Guttmann, Wien: 500
Ig. & Jac. Kufner, Wien: 200
Kais. Rat Leop. Sachs, Wien: 200
Ritter v. Gomperz, Wien: 200
Löbl. Sparkassa, St. Pölten: 200
Bankverein, St. Pölten: 200
Schüller & Co, St. Pölten: 150
L. Beers Wtw., Holleschau: 100
G. Schön, Göblasbruck: 100
Lieser & Duschnitz, Pöchlarn: 100
Wilh. Stöckler, Wien: 100
Josef Grünfeld, Iglau: 100
Bondy & Mayer, Wien: 50
Moritz Zwicker, Wien: 50
M. Grab Söhne, Wien: 50
Ignatz Zwicker, Wien: 50
Simon Mandler, Wien: 50
Leopold Landeis, Wien: 50
Leop. Munk, Pöchlarn: 50
Arnold Fröhlich, Wien: 50
Guido Elbogen, Thalheim: 50
Sam. S. Bing, Wien: 100
Oscar Berl, Wien: 50
Samuel F. Goldberger, Wien: 50
S. Bell, Wien: 80
Sigmund Tonello, Wien: 50
F. Pollak, Prossnitz: 50
F. Pollak, Prossnitz: 6
Alex. Geiger, Budapest: 20
Julius Sockel, Wien: 20
Leop. Stuckart, Zlabings: 20
Karl Nachmias, Wien: 5
J. P. Gottlieb, Pollitz: 10
Jos. Krauss, unleserlich: 4
Alfred Wahle, Wien: 10
Schwarz & Comp., Wien: 10
Brüd. Bacher & Comp., Wien: 20
Max Kohn & Co., Wien: 20
Kellner & Rosenberg, Wien: 20
Dr. Sig. Weiss, Rekawinkel: 3
Therese Heller, Altlengbach: 10
Theodor Teichtner, Wien: 10
Bäcker & Co., Wien: 2
Moritz Doktor, Wien: 25
Josef Bielitz, Wien: 10
Ad. Freiwillig, Wien: 10
Leopold Wasservogel, Wien: 20
Mühlstein & Steiner, Prag: 10
Dr. Ad. Kurrein, Teplitz: 20
S. Allina & Sohn, Zlabings: 10
Otto Kirchenberger, Teplitz: 5
Moritz Schanzer, Neubistritz: 10
Ad. Brunner, Graz: 4
Karl Sturme, Wien: 10
Mathias Neubauer, Pilsen: 10
S. Keller, Iglau: 5
E. Herrmann, ?: 10
G. Wotlitz, Wien: 20
J. V. Mautner, Wien: 40
Brüder Klein, ?: 30
Brüder Paunsen, Wien: 30
Ludwig Schick, Wien: 20
Anna Ernst, Wien: 5
Popper & Ornstein, Wien: 10
Brüder Humburger, Wien: 4
A. D. Hift, Wien: 10
Pachner & Schlessinger, Wien: 5
Karl Pfefferkorn, Arnau: 4
Leop. Eisenmann, Roth Kosteletz: 10
Leop. Weiner, Wien: 20
Herm. Pollak Söhne, Wien: 20
Sam. S. Bing, Wien: 25
M. Grünbaum, Wien: 4
Otto Morawetz, Eipel: 10
Karl Süss, Wien: 4
Joh. Liebig & Comp., Wien: 5
Ludwig Eckstein, Wien: 20
Lurie & Bauer, Wien: 5
Alois Lemberger, Wien: 30
Brüder Peter, Wien: 10
Wilh. Eisenmann, Roth. Kosteletz: 4
Grohmann & Co., Würbental: 20
Heinrich Weiner, Prossnitz: 10
Josef Broch, Wien: 20
Leop. Landeis, Wien: 5
L. Löwit, Wien: 5
May & Herold, Wien: 10
Brüder Bleier, Neustadt: 10
Berger & Feiner, Wien: 10
Adolf Karpeles, Warnsdorf: 10
Heinrich Gelb, Wien: 10
Albert Tandler, Urfahr: 20
H. Glattauer & Co., Prag: 30
Jacob Kouhut, Holic: 20
Käthe Lauer, Iglau: 20
Max Allina, Wien: 5
W. Löwenfeld, Wien: 20
D. Schwarzmann & Co., Wien: 10
A. Beamt & Söhne, Wien: 5
Mataus & Homolka, Wien: 10
Max Schlesinger, Wien: 10
Alexander Löbl & Bruder, Wien: 10
Alfred Braun, Prag: 5
Josef Braun, Reichenau: 5
Alfred Goldberg, Stuben: 5
Fried. Kubinsky, Wien: 15
Moritz Grünhut, Wien: 10
Josef Hoffmann, Wien: 5
Emanuel Blumenthal, Wien: ?
Jacob Quittner, Wien: 20
Alfred Epstein, Wien: 20
M. & J. Mandl, Wien: 20
Eugen Fleischmann, Nürnberg: 10
Jacob Mohrberger, Wien: 10
David Zappert, Wien: 20
Brüder Selinko, Wien: 10
Neumann & Haurowitz, Prag: 20
Cosmanos A.-G., Wien: 40
Rob. & Rud. Pietschmann, Schluckenau: 10
Moritz Berl, Wien: 20
S. Fleischmann, Wien: 10
Philipp Kohn, Wien: 10
M. Zuzaks Sohn, Pilsen: 10
Michael Löwits & Sohn, Mestu: 10
Michael Löwits & Sohn, Pardubitz: 5
Hecht & Schwarz, Prag: 5
Heinrich Klinger, Wien: 30
Sigmund Gottlieb, Brünn: 10
Leop. Wolfs Söhne, Eisenstadt: 10
Friedr. Lederer, Neustadt: 2
Sigmund Löwi, Wien: 30
M. Neumann, Wien: 5
Eduard Schidloff, Zwettl: 10
J. Z. Schütz, Wien: 20
Hirsch & Neumann, Nördlingen: 40
D. Geiringer, Wien: 10
Max Reich & Sohn, Wien: 10
Johann Bock, ?: 10
Füchsl & Merkl, ?: 10
Josef Kunz, Skutsch: 20
Zechel & Söhne, ?: 10
Josef Fantl, Wien: 20
Adolf Humpoletz, ?: 6
Breuner & Wasservogel, Wien: 15
Eduard Redlich, Wien: 20
IKG Wr. Neustadt, Wr. Neustadt: 20
A. Kaiser, Brünn: 20
Bäuer & Gutbericht, Weinert: 3
N. Tauber & Bruder, Wien: 10
IKG Waidhofen, Waidhofen: 10
Julius Ehrlich, Wien: 10
Sigmund Mahler, Kemmelbach, 10
Leopold Bondy, Prag: 20
Eduard Kellner, Wien: 5
Fritz Kellner, Wien: 5
Rudolf Wolf, Prossnitz: 10
N. Klabers Sohn, Neuern: 5
Fritz Löwy & Sohn, Wien: 5
Jaques Markus, Wien: 5
Brüder Zwicker, Wien: 10
Winter & Reich, Wien: 5
M. Traub, Wien: 5
Hermann König, Wien: 30
Hermine Squarenina, Wien: 20
Jacob Duschinsky, Wien:

 

Quelle: NÖLA, Karton 2863, Mappe IKG St. Pölten, zitiert aus: Matthias Lackenberger, Die Geschichte der Israelitischen Kultusgemeinde St. Pölten von 1867-1918. Unveröff. phil. Dipl.arb. Wien 1998. weniger... ]

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Ausgaben beim Bau der Synagoge

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NAME, ORT, BERUF, LEISTUNG: SUMME
 
Andri Ferdinand, St. Pölten, Künstler (Maler, Schnitzer), Vergoldungsarbeiten: 130
Birkmayer Eugen, St. Pölten, Fenstermarmorplatten: 774
Blasel Johann: 103
Bondy Franz, Wien, 2 Niagaraspucknäpfe: 30
Danzberger Josef, Glasermeister: 562,08
Deutscher, Dr., Wien: 8
Diverse kleine Ausgaben: 97,40
Dreikurs Moritz, Wien, 2 Tische für Beamte: 36
Eckstein, Dr., Wien: 120,70
Eybner Otto, St. Pölten, Eisenhandlung, Eisenmaterial: 5.945,36
Fabiani, Prof., Wien, Architekt: 70
Forstner L., Wien: 260
Frauenfeld, St. Pölten, Baumeister: 61.400
Fürst J., St. Pölten: 52,40
Gleichen- und Trinkgelder: 573
Gröbl Anton, St. Pölten, Zimmermann: 11.002,89
Haller Josef, St. Pölten, Stadtingeneur, Überwachung der Arbeiten am Bauplatz: 300
Hanel Robert, St. Pölten, Tischler, Bänke und Sitze: 6.200
Herzmansky A., Wien, Plüsch: 36,57
Hiebel Josef, St. Pölten: 44,20
Hönig Friedrich, St. Pölten, Dachdecker: 853,60
Hötzl Josef, St. Pölten, Schlosser, Schlosser- und Kunstschlosserarbeiten: 6.600
Inserate: 40,20
Kauder Robert, Wien, Erzeuger von Ton- und Dauerbrandöfen: 340
Kern Rudolf, 2 Laternen: 162
Kummer Anton, St. Pölten, Zimmermeister und Sägewerksbesitzer: 905
Lechner Alois, St. Pölten, Maler, Ausmalarbeiten: 2.236,93
Leicht A. & Sohn, St. Pölten, Kaufmann, Teppiche und andere Waren: 443,24
Mayer J., St. Pölten: 70
Merkl Puffer & Co, Herzogenburg, Herzogenburger Tonwerke und Kunststeinfabrik, Kunststeinarbeiten, Terrazzoboden: 4.640
Mrasek Anton, St. Pölten, Tischler: 6.217, 79
Nunner Franz, Wien, Uhr für den Tempelraum: 37
Papouschek Franz, Wien, Bronzewaren und Lustererzeugung: 70
Pauer Franz, St. Pölten, Gärtner: 559,50
Pfaffner Josef, Wien: 33
Pittner Franz, Wien, Sitz- und Türtafeln: 81,54
Prokop Josef, St. Pölten, Stadtbaudirektor, Oberaufsicht über den Bau: 700
Reiser H, Schreier, Lindner, Wien, Architekten, für Projektentwürfe: 600
Resch Albert, 6 Fuhren Schotter: 24
Rühmann Adolf, St. Pölten, Maler: 257
Schilling Anton, St. Pölten, Tonwarenerzeuger (Öfen): 90,20
Schlesinger Josef, Wien, Verlagsbuchhandlung, Kunst und Goldstickerei: 1.166,35
Schön & Gartner, Wien, Architekten: 8,40
Schreier & Postelberg, Wien, Architekten: 25
Schreier Theodor, Wien, Architekt: 3.800
Schuster Franz & Zezulka, Wien, Dekorationsmaler: 3.552
Schwarz Josef, St. Pölten, Installateur, Spengler: 10.800
Slabe Emilian, St. Pölten, Bildhauerarbeiten: 389,08
Städt. Elektrizitätswerk, St. Pölten: 2.333,41
Städt. Gaswerk, St. Pölten: 398,18
Stempel und Einreichungsplan: 13,60
Stix Adolf, Wien, Widmungsschilder: 59,75
Turek Karl, Nachfolger, St. Pölten, Maschinenbauer und Elektrotechniker, diverse Montagearbeiten: 87,42
Weinmann, St. Pölten, Baumeister, Zufuhr von Anschüttungsmaterial: 127
Wicherek & Tintner, St. Pölten, Baumeister: 205
Winkler Ernst, Wien: 2.872,70
Wohlmayer Robert, St. Pölten, Baumeister, Abbruch der alten Synagoge: 100
Zeller Johann, St. Pölten, Hufschmiede und Wagenfabrik: 134,62

 

 

Quelle: Sta St. Pölten, Karton 2 sowie NÖLA, Karton 2863, Mappe IKG St. Pölten, Liste Ausgaben und Spenden beim Bau der Kaiser-Franz-Josef-Huldigungs-Synagoge in St. Pölten, zitiert aus: Matthias Lackenberger, Die Geschichte der Israelitischen Kultusgemeinde St. Pölten von 1867-1918. Unveröff. phil. Dipl.arb. Wien 1998. weniger... ]

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Finanzierung der Synagoge Geld- und Sachspenden

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SPENDER, ORT, ART DER SPENDE: WERT

Tempelbaufonds, St. Pölten, Geld: 13.310,67
Belehnung der Sparkassa, St. Pölten, Geld: 18.025
Darlehen von der Vorschußkasse, Geld: 8.000
Grundablösung der Stadtgemeinde, St. Pölten, Geld: 10.000
Darlehen von der Chewra Kadischa, St. Pölten, Geld: 4.000
Subvention von der Kultusgemeinde, St. Pölten, Geld: 4.000
Subvention von der IKG Wien, Wien, Geld: 500
Zinsen Tempelbauverein, St. Pölten, Geld: 13,60
Subvention von der Chewra Kadischa, St. Pölten, Geld: 11.000
Subvention von der Sparkassa, St. Pölten, Geld: 410,59
Spende von Baron Freiherrn von Rothschild, Geld: 5.000
Spende von Dr. Julius Taussig, St. Pölten, Geld: 1.000
Spende von der Filiale der Anglo-Österr. Bank, St. Pölten, Geld: 500
Sammlung für Gebetbücher von Leicht veranstaltet, Geld: 5.500
Ansichtskartenerträgnis (Idee: Leicht), Geld: 640,03
Allina Elisabeth, St. Pölten, I. Fenster: 200
Allina Sigmund, St. Pölten, I. Fenster: 200
Bock Jakob, Wald, Beleuchtungskörper: 30
Bondy Karl, St. Pölten, I Waschbecken: 100
Brumlik,Familie, I. Fenster: 120
Chewra - Kadischa, St. Pölten, Weißes Proches und zwei Manderl: 820
Dakter Eduard: 50
Fischl Betty, St. Pölten, I. Fenster: 200
Frank Karl, St. Pölten, I Thoramanterl: 500
Frank Max und Elsa, I. Fenster: 50
Frank Rudolf, St. Pölten, I Thoramanterl: 150
Frischer Eduard, St. Pölten, I. Fenster: 80
Glaser Salomon, Fahrafeld, I. Fenster: 120
Hacker Samuel, St. Pölten, I Thoramanterl: 60
Hermann Adalbert Familie, 2 Behänge: 200
Hoffmann Heinrich, St. Pölten, I. Fenster: 60
IKG,St. Pölten: 2.000
Israel. Frauenverein, St. Pölten, I Altar: 600
Klein Ernst, Dir. der Anglo-Österr. Bank, Rabbinersitz: 45
Kohn Bernhard, St. Pölten: 100
Kubin Max, Herzogenburg, I. Fenster: 50
Leicht Albert, St. Pölten, Estrade und Kandelaber: 600
Leicht Robert, St. Pölten, II. Fenster: 120
Leicht Rosalie, St. Pölten, 1 Opferbüchse (Kupfer): 160
Lichtenstern Rich., Wilhelmsburg, I. Fenster: 60
Lustig Richard, St. Pölten, II. Fenster: 160
Mandl Samuel, St. Pölten, I. Fenster: 80
Müller Wilhelm, St. Pölten, I. Fenster: 60
Nussbaum Heinrich, St. Pölten, I Thoramanterl: 60
Placzek Simon, St. Pölten, I. Fenster: 200
Placzek Simon, St. Pölten, I. Fenster: 60
Placzek Wilhelmine, St. Pölten, II. Fenster: 160
Reiniger Leopold, St. Pölten, I. Fenster: 200
Reiss Adolf, St. Pölten, I. Fenster: 200
Reiss Isidor, St. Pölten, I. Fenster: 80
Reiss Isidor, St. Pölten, I Thoramanterl: 80
Reiss Karl, Kilb, Beleuchtungskörper: 300
Reiss Moritz, St. Pölten, I. Fenster: 80
Schächter Adolf, Dr., St. Pölten, Türeinglasung: 100
Schwarz Rosa, St. Pölten, I. Fenster: 80
Schwarz Siegfried, St. Pölten, I. Fenster: 160
Spitz Wilhelm, I. Fenster: 60
Tempelbauspenden: 22.688,50
Wulkan Bernhard, St. Pölten, I Thoramanterl: 60
 
Quelle: NÖLA, Karton 2863, Mappe IKG St. Pölten, Liste Spendeneingänge, zitiert aus: Matthias Lackenberger, Die Geschichte der Israelitischen Kultusgemeinde St. Pölten von 1867-1918. Unveröff. phil. Dipl.arb. Wien 1998. weniger... ]

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Das verschollene Bild des Kaisers

Im August 1913 verwarf die IKG den ursprünglichen Plan, im Eingangsbereich der Synagoge eine Kaiserbüste aufzustellen. Sie beauftragte stattdessen den Grazer Maler Emil Krausz, der seine Kindheit in St. Pölten verbracht hatte, für 50 Kronen ein Bildnis von Kaiser Franz Josef zu malen. Dieses Bild galt lange als »verschollen«. 

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Im Sommer 2000 konnte Martha Keil ein Kaiserbild im St. Pöltner Stadtmuseum, das oft für Ausstellungen verwendet worden war, als jenes Bild identifizieren. In der unteren linken Ecke weist nämlich eine Widmung auf die Spender Samuel und Ber­tha Mandl hin. Der Kauf­mann Samuel Mandl war Mitglied des Kultusvorstands und des Bau­komitees für die Synagoge. An welchem Platz das Gemälde angebracht war, ist leider nicht überliefert, doch ist es eines der zahlreichen eindrucksvollen Beweise für die Kaisertreue der St. Pöltner Juden und allgemein der jüdischen Untertanen der Habsburger Monarchie. weniger... ]

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Der Novemberpogrom

»Mitten in einer deutschen Stadt – und das ist doch Sankt Pölten, oder nicht? – erhebt sich da ein morgenländisches Gebäude, krause Schriftzeichen ›zieren‹ seine Vorderfront und ein Stern erhebt sich auf der Kuppel, den wir in unserem Himmel gerne entbehren. Wenn dieser Bau einmal ohne Sinn und Zweck dasteht, und das wird er bald (es ist klar, hier ist die Ostmark beispielgebend), dann wird er einem ›repräsentativen‹ Gebäude Platz machen!? Ist es uns gelungen, das Geschäftsleben in unserer Stadt von Fremden zu säubern, so müssen auch die äußeren Erscheinungen folgen.«

Diese unverhohlene Aufforderung zur Zerstörung der St. Pöltner Synagoge schrieb der St. Pöltner Anzeiger bereits am 5. November 1938.

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Die Ermordung des deutschen Botschaftsrats Ernst vom Rath in Paris durch den 17-jährigen Juden Herschel Grynszpan am 7. November 1938 war für Hitler ein willkommener Anlass, den »spontanen Volkszorn« gegen jüdische Geschäfte, Wohnungen, Gotteshäuser und Menschen loszulassen. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 drangen mehrere Personen, wahrscheinlich Ange­hörige von SA und SS, in das Kantorhaus neben der Synagoge ein, legten Feuer und zerschlugen die Fensterscheiben.

Am Vormittag des 10. November erschien angeblich ein SS-Standarten­führer aus Krems, um die Zerstörung der Synagoge zu organisieren. Vor dem Gebäude versammelten sich 300 bis 400 Personen, teils in Uniform, teils in Zivil, unter ihnen Angehörige von SA, SS, HJ und Reichsarbeitsdienst sowie St. Pöltner Schüler unter Führung ihrer Lehrer. Der St. Pöltner Anzeiger vom 16. November 1938 berichtete anerkennend, dass es einigen »Wage­mutigen« sogar gelungen sei, »das Abzeichen Judas, den Davidstern, das getreue Abbild des Sowjetsterns, von der Kuppel zu entfernen«.

An diesem Vormittag wurde das Innere der Synagoge unter dem Absingen politischer Lieder vollständig zerstört. Die Fenster wurden eingeschlagen, die Inneneinrichtung und die Thorarollen verbrannt, Wasserleitungsrohre, Beleuchtungskörper und Türpfosten aus den Wänden gerissen. Bücher und Akten wurden auf die Straße geworfen, mit Benzin übergossen und unter Bravo-Rufen verbrannt. Der St. Pöltner Sicherheitsdienst berichtete an den SD-Unterabschnitt Wien: »Die Aktionen gegen die Juden werden von der Bevölkerung durchwegs mit Zustimmung aufgenommen.« Einzelne Schaulustige äußerten jedoch ihr Unbehagen: »Naja, man soll ihnen schon ihren Glauben lassen.«

Von dem gesamten beweglichen Vermögen der Israelitischen Kultusgemeinde St. Pölten blieben »2 oder 3 Silberbecher, 1 silberne Hand (Thorazeiger) und 2 Thorarollen.« Der Verbleib dieser Gegenstände ist ungeklärt. Einige Bestände des Archivs der Kultusgemeinde wurden in das Stadtarchiv St. Pölten gebracht. Das schwer beschädigte Gebäude wurde gegen den Zutritt Unbefugter abgesichert.   weniger... ]

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Während und nach dem Krieg

Nach dem Plan der NSDAP sollte die Synagoge »auf Kosten des Judenkapitals« abgerissen, das Kantorhaus renoviert und an die Partei abgetreten werden. Zu einem Abriss kam es jedoch nicht: in das Kantorhaus zog die SA-Standarte 21 ein und beantragte die Wohnung des nichtjüdischen Ehepaars Diete. 

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Den Verbleib des Ehepaars lehnte die SA ab, da dieses »früher die Geschäfte des Hausbesorgers im Judentempel und beim Rabbiner« besorgt hatte und es untragbar sei, dass »die ehemaligen Hausbesorger beim Judentempel ihre Tätigkeit bei der SA fortsetzten.«

Die IKG wurde beauftragt, »Bauschäden« am Gebäude kurzfristig auf eigene Kosten zu beheben. Da sie nicht dazu in der Lage war, erwarb die Stadt St. Pölten, die sämtliche Liegenschaften der IKG »arisiert« hatte, die Synagoge. Der Kaufpreis kam auf ein Sperrkonto der »Zentralstelle für jüdische Auswanderung«, einer Zweigstelle des Sicherheitsdienstes. Die IKG konnte über dieses Geld nicht verfügen.

1942 diente die Synagoge dem Arbeitsamt als Auffanglager für russische Zwangsarbeiter. Zu diesem Zweck wurde ein Teil des Gebäudes vom städtischen Bauhof adaptiert und mit 76 Strohsäcken ausgestattet. 1945 wurde das Haus durch Bombensplitter weiter beschädigt. Die Rote Armee verwendete die Synagoge als Getreidespeicher und Möbellager und gab sie im April 1947 an die Stadt zurück. Die Rückgabe an die IKG Wien als Rechtsnachfolger zog sich bis zum Juni 1954 hin.

Die IKG Wien verlangte von der Stadt St. Pölten die Rückerstattung der Mieterträge, im Gegenzug forderte die Stadt St. Pölten von ihr die Entschädigung für Instandhaltungskosten und den Kaufpreis zurück. Nach Gegenrechnung aller Ausgaben zahlte die IKG Wien für die Rückgabe der »arisierten« Liegen­schaften 24.252,98 Schilling an die Stadt St. Pölten.

In den folgenden Jahren verfiel das ungenutzte Gebäude weiter, Hunderte Tauben nisteten sich in der einsturzgefährdeten Kuppel ein. Im Jahr 1975 bot die IKG der Stadt St. Pölten die Synagoge zum Kauf an. Die Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) berichteten darüber unter den Titeln »Judentempel zu verkaufen« bzw. »Brauchen Sie einen Judentempel?«: »Das Angebot der israelitischen Kultusgemeinde macht den St. Pöltner Stadtvätern einiges Kopfzerbrechen. Die Gemeinde hat der Stadt den Judentempel zum Verkauf angeboten. Man wird wahrscheinlich zugreifen, weiß aber noch nicht, was man mit dem Gebäude anfangen soll. – ›Haben Sie keinen Interessenten dafür‹, fragte Bgm. Schickelgruber die NÖN, und Stadtrat Gruber ist überzeugt, daß man mit geringfügigen Sanierungsarbeiten das Gebäude vorerst einmal erhalten kann. [...] Die Wünsche der israelitischen Kultusgemeinde beinhalten eine Gedenktafel, die Pflege und Instandhaltung des Judenfriedhofs durch die Stadt. Man könnte den Tempel niederreißen und das Areal der Krankenkasse anbieten. Diese hat allerdings schon abgewunken. ›Für den Neubau zu ungünstig gelegen, für einen Parkplatz viel zu klein‹. Wer kann den Judentempel brauchen?« – Dem Autor dieses nicht gekennzeichneten Artikels kann man zumindest mangelnde Sensibilität vorwerfen. weniger... ]

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Die Renovierung

Ende der 1970er Jahre war absehbar, dass sich keine neue jüdische Gemeinde mehr gründen würde. Der IKG Wien, die nur Kosten, aber keinen Nutzen aus dem Gebäude hatte, stellte einen Abbruchantrag.

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Aufgrund der Größe und Bedeutung des Gebäudes ließ das Bundesdenkmalamt unter Hofrat Werner Kitlitschka ein Gutachten anfertigen. Die Kunsthistorikerin Renate Wagner-Rieger stellte darin fest: »Insgesamt wird man diesen Bau als ein für die Entstehungszeit außerordentlich charakteristisches Werk zu betrachten haben, das dem Zeitgeschmack, der sich gerne als ›Wiener Barock‹ verstand, eine selbständige künstlerische Lösung abgerungen hat.«

Im Sommer 1980 begannen die Renovierungsarbeiten. Die Bauverwaltung der Stadt St. Pölten übernahm die Bauleitung, das Bundesdenkmalamt die Innenrenovierung. Die prachtvolle Wandornamentik restaurierte die Perchtoldsdorfer Firma Alois Fichtinger unter Anleitung der Restauratorin Heliane Jarisch nach den im Original erhaltenen Schablonen. Der Bildhauer Loidl setzte den Toraschrein instand. Die farbenprächtigen bleiverglasten Fenster konnten nicht gerettet werden, und auch die hebräischen Inschriften in den Vignetten wurden nicht rekonstruiert.

Die Gesamtkosten betrugen 15 Millionen Schilling und wurden vom Bund, dem Land Niederösterreich, der Stadt St. Pölten und der IKG Wien gemeinsam getragen. weniger... ]

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Das Institut für jüdische Geschichte Österreichs

Im Juni 1984 wurde die ehemalige Synagoge mit einer Ausstellung der Judaica-Sammlung von Max Berger wiedereröffnet. Seit Juni 1988 beherbergt das Kantorhaus das Institut für jüdische Geschichte Österreichs. Die ehemalige Synagoge dient als Raum für kulturelle Veranstaltungen. Eine Ausstellung auf der Frauengalerie vermittelt die Geschichte der vernichteten jüdischen Gemeinde.