Abholkarte

Bei der Ankunft von Paketen in The­resien­stadt erhielt man von der Post eine Abholkarte, mit der man diese abholen konnte

Abholschein

Bei der Ankunft von Paketen in The­resien­stadt erhielt man von der Post eine Abholkarte, mit der man diese abholen konnte

Arbeitstransport

Euphemismus für die Deportationen in die Vernichtungslager, bei denen die meisten Transportierten unmittelbar nach der Ankunft in den Gaskammern ermordet wurden

arisch versippt

in einer „Mischehe“ zwischen „Ariern“ und als Jüdinnen/Juden definierten Menschen lebend; „Mischehe“: Ehe zwischen „Ariern“ und als Jüdinnen/Juden definierten Menschen

Aviso

Ankündigung von Paketen oder Briefen

Boden

Dachboden

Bosniake[r]l

weckenförmiges Kleingebäck aus einem Gemisch aus Roggen- und Weizenmehl, bisweilen mit gekochten Kartoffeln gestreckt und mit Kümmel gewürzt

Bosniakel

weckenförmiges Kleingebäck aus einem Gemisch aus Roggen- und Weizenmehl, bisweilen mit gekochten Kartoffeln gestreckt und mit Kümmel gewürzt

Bosniakerl

weckenförmiges Kleingebäck aus einem Gemisch aus Roggen- und Weizenmehl, bisweilen mit gekochten Kartoffeln gestreckt und mit Kümmel gewürzt

Brot-Torte

Torte aus Eiern, Zucker, Mandeln, Paniermehl aus Schwarzbrot, Zimt, Gewürznelken, Muskatnuss und Zitronen

Buchte

Hefegebäck aus der böhmischen und österreichischen Küche

Buchtel

Hefegebäck aus der böhmischen und österreichischen Küche

Buchteln

Hefegebäck aus der böhmischen und österreichischen Küche

Buchtl

Hefegebäck aus der böhmischen und österreichischen Küche

Cola

Seit 1929 hatte der Coca-Cola-Konzern einen Vertrieb in Deutschland und war auch während der NS-Zeit sehr erfolgreich. Ab Kriegseintritt im Dezember 1941 verbot die USA die Einfuhr der Zutaten, worauf ein später „Fanta“ genanntes Ersatzgetränk kreiert wurde. Tintner meinte vermutlich dieses Getränk.

Dorsche

Steckrüben

Dreieck-Käse

Schmelzkäse

Eikuchen

dickere Pfannkuchen

Einbrenn

Mehlschwitze (frz. Roux)

Entwesung

Desinfektion von Gebäuden, Gegenständen, Möbeln und Kleidung. Anfangs wurden einzelne Gebäude mit Schwefelkerzen begast, später wurde per Block vorgegangen und Zyklon-Gas eingesetzt. Die Bewohner:innen mussten die Gebäude für mehrere Tage verlassen und ihr Hab und Gut abgeben, da es gesondert in einer Dampfdesinfektion behandelt wurde. Diese war jedoch zu klein dimensioniert, sodass im Laufe der Zeit auch Gegenstände begast wurden. Dies führte dazu, dass sich noch mehr Menschen an einem Ort aufhielten und sich damit die Überlebenschance der Parasiten erhöhte und die Ausbreitung von Seuchen durch diese Maßnahme eher befördert wurde. Noch dazu waren die in The­resien­stadt lebenden Menschen aufgrund der schlechten Versorgungslage zusätzlich geschwächt und damit anfälliger für Krankheiten.

Erdäpfel

Kartoffeln

Ersatztee

Kräutertee

Exiliierte

Ab 1933 entzog die Deutsche Regierung fast 90.000 Jüdinnen und Juden sowie politischen Gegner:innen die Staatsbürgerschaft, vor allem Personen, die das Reich bereits verlassen hatten. Nach 1938 betraf dies auch vormalige Österreicher:innen und Tschechoslowak:innen. Wenn diese wieder in den nationalsozialistischen Herrschaftsbereich gerieten, wurden sie als „Exilierte“ bezeichnet.

Extraktsuppe

Suppe aus Abfällen und Schalen von Erbsen, Linsen und Hirse

Faschiertes

Hackfleisch

Fisolen

grüne Bohnen, Schnittbohnen

Fleckerl

kleine Nudeln in quadratischer Form

Fondangs

vermutlich meint er hier eine Fondant-Torte, also eine mit Zuckerglasur überzogene Torte

Foudarg

vermutlich meint er hier eine Fondant-Torte, also eine mit Zuckerglasur überzogene Torte

Germuchteln

Hefegebäck aus der böhmischen und österreichischen Küche

Ghetto-Kronen

Im Ghetto verwendete Währung, die denselben nominellen Wert hatte wie die Protektorats-Krone, also 0,10 Reichsmark. Da das Geld außerhalb des Ghettos jedoch keinen Wert besaß, wurde es nicht Geld, sondern Quittung genannt.

Ghettokronen

Im Ghetto verwendete Währung, die denselben nominellen Wert hatte wie die Protektorats-Krone, also 0,10 Reichsmark. Da das Geld außerhalb des Ghettos jedoch keinen Wert besaß, wurde es nicht Geld, sondern Quittung genannt.

Glimmer

eine Gruppe von Mineralien mit einer Schichtstruktur und sehr schwacher Bindung zwischen den Schichten, die gut voneinander trennbar sind. Das Material wurde für elektrische Isolatoren und als Trägermaterial für Heizdrähte verwendet. Die Glimmer in Theresien­stadt bezeichnet aber die Spalterei in den beiden Südbaracken Nr. 1 und Nr. 3, wo das Mineral in Blättchen getrennt wurde. Dieser Betrieb öffnete am 5. September 1944 und war der größte Heeresauftrag des Ghettos.

Grammeln

Grieben, beim Auslassen bzw. Erhitzen des Fettgewebes von Schlachttieren zurückbleibender Anteil des Bindegewebes

Graupen

geschälte und polierte Gersten- oder Weizenkörner, die besonders leicht verdaulich sind, aber auf Dauer zu einer Leptinresistenz führen können, was – vereinfacht gesagt – dazu führt, dass man trotz Nahrungsaufnahme hungrig bleibt. Im Ghetto wurden Graupen meist in breiigen Suppen verarbeitet, waren verwässert und häufig vergoren und daher sehr unbeliebt.

Gummiflasche

Wärmflasche

Haferkleigries

vorgekochten Körnern oder Hafermehl hergestellte und mit Rollen sehr fein und dünn ausgewalzte Flocken, die schnell löslich sind und zum Beispiel als Nahrung für Kleinkinder Verwendung finden

Hafermark

vorgekochten Körnern oder Hafermehl hergestellte und mit Rollen sehr fein und dünn ausgewalzte Flocken, die schnell löslich sind und zum Beispiel als Nahrung für Kleinkinder Verwendung finden

Hasche

Durch den Fleischwolf gedrehte (faschierte) Wurst- oder Fleischreste

Haschee

Durch den Fleischwolf gedrehte (faschierte) Wurst- oder Fleischreste

Haustee

Kräuterteemischung

Herkalithplatten

Holzwolle-Leichtbauplatten, die vor allem bei Decken und Dachuntersichten sowie zur Brand- und Schalldämpfung verwendet werden

IRK

Internationales Rotes Kreuz

Jom Kippur

Versöhnungstag, ein hoher jüdischer Feiertag

jüdisch versippt

in einer „Mischehe“ zwischen „Ariern“ und als Jüdinnen/Juden definierten Menschen lebend; „Mischehe“: Ehe zwischen „Ariern“ und als Jüdinnen/Juden definierten Menschen

Kaddisch

jüdisches Totengebet

Kaffeeersatz

Ersatzkaffee vor allem aus Gerste

Kaffewürfel Linde

Die deutsche Firma Linde produzierte Ersatzkaffee aus Gerstenmalz, Gerste, Roggen und Zichorie, der auch portioniert als Würfel verkauft wurde.

Karbonadel

ein gegrilltes Kotelett

Karbonadl

ein gegrilltes Kotelett

Karbonandl

ein gegrilltes Kotelett

Klobasse

heute meist Burenwurst genannt, eine Brühwurst

Knäcke

Knäckebrot

Knacker

Knackwurst, die aber nicht wie die gleichnamige deutsche Version der Bockwurst, sondern der Extrawurst ähnelt

Kunsthonig

eine Invertzuckercreme, die aus Saccharose, Stärkesirup, Wasser, Ascheanteilen und ca. 0,002% Honig besteht

Lavoir

Waschschüssel

Lebzelt

Lebkuchen

Mansarde

ausgebautes Dachgeschoss

Marillen

Aprikosen

Markgeld

Reichsmark, die man innerhalb des Ghettos weder verwenden noch besitzen durfte.

Marmelade

Konfitüre

Mauerblenden

auch Verblender genannt, Mauerziegel, die für die Außenseite von zweischaligen Mauerwerken verwendet werden und frostbeständig sind

Molkenhefe

in Molke angesetzte Hefebakterien. Der so gewonnene Nährstoff hat einen hohen Kalorien- und Proteingehalt und wird deswegen bis heute hauptsächlich als Ergänzungsmittel in der Mast verwendet.

Oetkers Maizena

Maismehl oder Maisstärke der Firma Dr. Oetker

OK

Oberkommando

Palatschinke

Pfannkuchen

Paradeis

Tomaten

Paradeiser

Tomaten

Platzki

eine Art Kartoffelpuffer, für den auch anderes Gemüse, wie zum Beispiel Karotten, Zucchini etc., verwendet werden kann.

Platzky

eine Art Kartoffelpuffer, für den auch anderes Gemüse, wie zum Beispiel Karotten, Zucchini etc., verwendet werden kann.

RAF

Royal Air Force

Ramasuri

großes Durcheinander, Wirbel

Ravelin

Außenwerk, Verteidigungswall einer Festung

Reibteig

Suppeneinlage aus Mehl, Grieß und Ei

Remuneration

Rückzahlung, Rückgabe, Rückerstattung

Ribisel

Johannisbeeren

Ritschert

Eintopf aus Graupen, Hülsenfrüchten und Rauchfleisch oder Schinken

Rohscheiben

Kartoffelchips

RSHA

Reichssicherheitshauptamt

Sago

geschmacksneutrales Verdickungsmittel

Sana

Die deutsche Firma Sana produzierte pflanzliches Streichfett, der Name Sana wurde häufig für alle pflanzlichen Magarine-Produkte verwendet.

Schwammerl

Pilze

schwarze Mehltorte

Torte aus Eiern, Zucker, Mandeln, Paniermehl aus Schwarzbrot, Zimt, Gewürznelken, Muskatnuss und Zitronen

Semmel

Brötchen, Schrippe, Berliner

Striezelkuchen

Hefezopf

Szediner-Gulasch

Krautgulasch

Tank

Panzer, oder gepanzertes Kettenfahrzeug

Thermophor

Wärmflasche

Train

Zug

Ubikation

in Österreich-Ungarn wurden Kasernen und Militärunterkünfte Ubikation genannt. In The­resien­stadt ist damit ein Zimmer gemeint.

Ubikationen
USAF

United States Air Force

Verschönerungsaktion

Als sich das Internationale Rote Kreuz für The­resien­stadt zu interessieren begann, beschloss die SS, dies propagandistisch zu nutzen und dem Westen vorzuspielen, dass die bereits bekannten Gerüchte über den Holocaust „Gräuelpropaganda“ seien. Deswegen wurde Anton Burger durch Karl Rahm als Lagerkommandant ersetzt, der ein Potemkin’sches Dorf errichtete: Straßen und Plätze wurden hergerichtet, Parks bepflanzt, Bänke aufgestellt, bisher gesperrte Zonen – wie der sogenannte „arische Garten“ – geöffnet, ein Musik- und Kinderpavillon errichtet, ein Turnsaal ausgestattet, Zäune entfernt, das Vereinshaus der Sokol – die Sokolowna – den Häftlingen zugänglich gemacht, eine Baracke als Speisehalle errichtet etc. Vor allem wurden an Fassaden und allen Wohnungen im Erdgeschoss, an denen die Kommission vorbeigehen sollte, Renovierungsarbeiten vorgenommen. Ebenso wichtig waren die Umbenennungen: das Ghetto hieß nun „jüdisches Siedlungsgebiet“, Straßen, Gassen, Plätze und Häuser erhielten statt der militärischen Bezeichnungen Namen. Zur Verschönerungs­aktion zählen aber auch Massendeportationen – vor allem nach Auschwitz –, um die Überbelegung zu reduzieren, sowie auch der im Anschluss an den Besuch der Kommission von dem Häftling Kurt Gerron gedrehte Film The­resienstadt. Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet, in dem auch Häftlinge als Komparsen zu sehen sind.

W[asser]suppe

das Hauptnahrungsmittel in The­resien­stadt, eine klare „Brühe“, meist nur leicht gesalzenes Wasser, teils mit bereits verfaultem Gemüse wie Karotten, oder auch nur Kartoffelschalen

Wassersuppe

das Hauptnahrungsmittel in The­resien­stadt, eine klare „Brühe“, meist nur leicht gesalzenes Wasser, teils mit bereits verfaultem Gemüse wie Karotten, oder auch nur Kartoffelschalen

weiße Torte

Milchbrot

weißer Kaffee

Kaffee-Ersatz aus Getreide (Gersten, Roggen oder Dinkel) oder Malz, der eine hellere Farbe als echter Kaffee hat

weißer Kuchen

Milchbrot

Wichs

Brotaufstrich oder eine Art Marmelade

Zeller

Sellerie

Zubusse

zusätzliche Nahrungsrationen, Zuschuss

Zubussen

zusätzliche Nahrungsrationen, Zuschuss

Zuckerl

Bonbon