Klara Brünner geb. Tintner

alt. Vorname: Clara
Geburtsdatum: 1867-02-24, Austerlitz
Sterbedatum: 1949-03-15, Santiago de Chile
Vater: Ignaz Isak
Ehepartner/in: Wilhelm

Familienbiographie

Klara kam am 24. Februar 186750 in Austerlitz zur Welt. Sie besuchte die Volksschule in Brünn und danach die Bürgerschule in Wien. Mit 22 Jahren heiratete sie dort den Kaufmann Wilhelm Brünner, mit dem sie fünf Kinder hatte: Johanna, Elsa – beide verstarben im Kleinkindalter – Paul, Martha und Walter. Die Familie war gut situiert, was sich an den Wohnadressen in bester Innenstadtlage zeigt. Klara erbte 1912 von ihrer Mutter die Hälfte des Hauses in der Johann-Strauß-Gasse 22, 1916 folgte die andere Hälfte von ihrem Vater. Wilhelm verstarb 1912 unerwartet während einer Geschäftsreise in Franzensbad, woraufhin die Familie in das Wiener Villenviertel im 18. Bezirk zog.

Paul arbeitete als Bankbeamter, später führte er ein eigenes Inkassobüro und heiratete innerhalb von vier Jahren dreimal, wobei die letzte Ehe mit Elise Klaber bis zu deren Tod hielt. Ihr gemeinsamer Sohn Wilhelm wurde 1929 geboren.

Martha studierte an der Universität Wien Medizin mit Schwerpunkt Psychiatrie und promovierte am 18. Dezember 1920. Kurz zuvor hatte sie den Chirurgen Franz Eduard Ornstein geheiratet. 1921 trat sie in die Ärztekammer ein und wurde Assistentin von Julius Wagner-Jauregg an der Universitäts-Nervenklinik. Daneben arbeitete sie unentgeltlich in der von ihr gegründeten „Beratungsstelle für psychische Hygiene“ insbesondere mit Jugendlichen.52 1921 wurde Sohn Peter geboren, 1927 folgte Martin. Die Familie lebte am heutigen Rooseveltplatz 4–5, Wien IX.

Walter studierte Chemie in Wien und promovierte bereits 1923, im Alter von 24 Jahren. Noch während seines Studiums hielt er im Volksbildungshaus Urania Vorträge zu Algebra, Geometrie und Chemie. Nach seinem Universitätsabschluss begann er beim Zollamt als Leiter des chemischen Laboratoriums zu arbeiten. Aufgrund eines Freundschaftsvertrags zwischen Österreich und Chile und der stark gestiegenen Lebensmittelimporte wurde er dorthin entsandt, um vor Ort ein Zollamtslaboratorium aufzubauen. Bei seiner Rückkehr nach Österreich erhielt er 1931 von der chilenischen Regierung den „Al Merito“-Orden und kurze Zeit später von Österreich den Ehren­titel Professor. Er heiratete seine ehemalige Kommilitonin Alice Sonnenschein, genannt Lizzie, und wechselte in die Handelskammer, die ihn in das Exportförderungsinstitut nach Madrid und Barcelona entsandte. Als der Spanische Bürgerkrieg ausbrach und der Generalkonsul nicht mehr nach Madrid zurückkehren konnte, wurde Walter zum „Gerenten des Konsulates“1 (Geschäftsträger) ernannt und war damit de facto österreichischer Botschafter. Diese Funktion bekleidete er bis 1938.57

Obwohl Paul, Martha und Walter bereits in der Zwischenkriegszeit aus der Kultusgemeinde ausgetreten waren, wurden sie von den Nationalsozialisten als Jüdinnen und Juden eingestuft und entsprechend bedroht. Sie reagierten überraschend schnell: Walter nutzte seine Kontakte nach Chile und wanderte mit Lizzie bereits im März 1938 aus. Marthas Mann Franz reiste parallel über Genua in die USA, wohin Frau und Söhne im Oktober folgten. Gleichzeitig floh Paul samt Familie über Hamburg ebenfalls nach New York. Laut Schiffspassage wurden alle Reisen von Klara finanziert. Dies führte jedoch dazu, dass sie in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Im „Auswanderungsfrage­ bogen“, einem Dokument der Fürsorgezentrale der Kultusgemeinde, in dem ein Bedarf bei der Unterstützung zur Ausreise festgehalten wurde, war folgendes vermerkt: „Die alte Frau war früher sehr reich.“ Sie musste ihre Wohnung aufgeben und zog in die nun leerstehende Wohnung von Paul und Elise. Dank Walters bürokratischer Kontakte und der finanziellen Unterstützung ihrer Geschwister gelangte Klara schließlich im Mai 1939 nach Chile, wo sie 1949 verstarb.

Walter und Lizzie blieben nach dem Krieg in Chile. 1947 wurde er zum ehrenamtlichen Vertreter der österreichischen Bundeshandelskammer ernannt, 1953 übernahm er die Leitung der Handelskammer-Expositur in Chile. Martha und Franz mussten zunächst ihre Approbation als Ärzte abwarten und nahmen dann ihre Arbeit wieder auf: Während sich Martha einen Namen in der Suchtprävention und -verarbeitung machte, arbeitete Franz wieder als Chirurg. Paul schloss sich der US-Army an, diente auf den Schlachtfeldern Europas und erhielt dafür frühzeitig die amerikanische Staatsbürgerschaft. Er versuchte sich anschließend in mehreren Branchen, verstarb jedoch bereits Mitte der 1960er Jahre in Alabama.



1Jakob MATSCHEKO, Österreicher im Spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Nationalisten. Unveröffentl. Diplomarbeit, Universität Graz. Graz 2013, S. 112.

 

Stammbaum
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