Walter Lindenbaum
Walter Lindenbaum war ein Wiener Schriftsteller und Journalist, der in der Zwischenkriegszeit für mehrere sozialdemokratisch orientierte Zeitungen und Zeitschriften Artikel und Gedichte sowie Hörspiele für den Rundfunk verfasste. In seinen Werken widmete er sich insbesondere dem urbanen Leben der Arbeiterschaft. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland engagierte er sich im Widerstand gegen den Faschismus, vor allem in der „Vereinigung sozialistischer Schriftsteller“. Stilistisch wandte er sich verstärkt der satirischen Dichtung zu und veröffentlichte seine Werke nicht nur in Österreich, sondern auch in deutschen Exilzeitungen sowie in der Tschechoslowakei.
Als die Austrofaschisten im Februar 1934 die Organisation verboten, begann er gemeinsam mit Jura Soyfer, Peter Hammerschlag und anderen Satirikern Programme für das „Cabaret ABC im Regenbogen“ zu schreiben, worauf ihn der Informationsdienst im Generalsekretariat der Vaterländischen Front als Kommunist einstufte. Finanziell ging es der jungen Familie – 1933 hatte Walter Lindenbaum Rachel Liebling geheiratet – so schlecht, dass er nicht einmal den Gewerkschaftsbeitrag zahlen konnte. Nach dem „Anschluss“ erhielt er Berufsverbot, wurde aber von der Israelitischen Kultusgemeinde als „Blitz-Dichter, Geburtstagsfeierer und Vermittler von Geschenksendungen in das KZ“ angestellt. Kurz darauf wurde Tochter Ruth geboren.
Bei einer Razzia in seiner Wohnung fand die Gestapo Spottgedichte, worauf die gesamte Familie im Frühling 1943 nach Theresienstadt deportiert wurde. Dort beteiligte sich Walter Lindenbaum umgehend am kulturellen Leben, vor allem am Kabarett. Anders als andere Künstlergruppen wollte er sich jedoch nicht an einen festen Spielort binden und trat auch in den Kranken-, Siechen- und Altersheimen auf. Kurz nach seiner Ankunft verfasste er das „Lied von Theresienstadt“.
Im Herbst wurden zunächst Walter und wenig später auch Rachel und Ruth nach Auschwitz deportiert. Mutter und Kind wurden vermutlich unmittelbar nach der Ankunft in der Gaskammer ermordet. Walter wurde zur Zwangsarbeit in das Außenlager Ohrdruf verschleppt, wo er am 15. Jänner 1945 an den katastrophalen Bedingungen verstarb.
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