Prof. Dr. Elisabeth Mensa-Tintner geb. Tintner
Elisabeth Mensa wurde am 12. September 1911 als Tochter von Rudolf Tintner und der nicht-jüdischen Johanna Ludwig in St. Pölten geboren. Sie maturierte bei den Englischen Fräulein in St. Pölten und begann anschließend ein Germanistikstudium an der Universität Wien. Während dieser Zeit lebte sie immer wieder bei ihrer Tante, DDr. Martha Brunner-Orne (eigentlich Brünner-Ornstein) in bester Innenstadtlage. Ihr künstlerisches Interesse führte sie nach dem Studium zum Zinnenverlag, wo sie erste berufliche Erfahrungen sammelte.
Nach dem „Anschluss“ wurde sie aufgrund der jüdischen Herkunft ihres Vaters entlassen und musste sich beruflich neu orientieren. Sie arbeitete zunächst bei einem Anwalt, später im landwirtschaftlichen Handel mit Traktoren, bis sie schließlich eine Anstellung bei einem deutsch-amerikanischen Zwischenhändler fand. Dieser konnte mehrfache Versuche, sie zur Zwangsarbeit heranzuziehen, erfolgreich abwehren. Zusammen mit ihrer Schwester Rosa kümmerte sich Elisabeth aufopferungsvoll um ihren Vater, der mittlerweile schwer erkrankt in Wien lebte. Den beiden gelang es, ihn von der Pflicht zum Tragen des Gelben Sterns zu befreien und ihn insgesamt viermal nach persönlicher Vorsprache bei den NS-Behörden aus der Haft zu holen – und damit vor der Deportation zu retten. Beim fünften Mal war ihre Intervention jedoch nicht mehr erfolgreich.
Elisabeth hatte für sich und ihren Vater eine Flucht nach Großbritannien vorbereitet, wo sie als Krankenschwester hätte arbeiten können, doch Rudolf Tintner weigerte sich, Österreich zu verlassen. Ihr Verlobter Anton Mensa wurde zur Wehrmacht eingezogen und fiel an der Ostfront.
Nach dem Krieg setzte Elisabeth alle Hebel in Bewegung, um das Schicksal ihres Vaters zu klären. Sie schrieb Briefe an zahlreiche Stellen in Theresienstadt, erhielt schließlich Gewissheit über sein Ende und im Herbst 1945 die Urne mit seiner Asche und sein Tagebuch. Gemeinsam mit ihrer Schwester hob sie am Wiener Zentralfriedhof selbst das Grab aus und setzte die Urne bei. In Erinnerung an ihren gefallenen Verlobten nahm sie den Namen Mensa an und gründete einen Verlag für Kinderbücher. Dieser war zwar für seine besonders kunstvollen Illustrationen bekannt, jedoch fanden diese nicht die gewünschte Resonanz. Während die detailreiche Gestaltung Erwachsene ansprach, wurde sie von Kindern als weniger einladend empfunden, was in der Folge zur Schließung des Verlags führte. Für ihr kulturelles Engagement wurde ihr der Ehrentitel Professor verliehen.
Elisabeth Mensa verbrachte ihren Lebensabend in Wien, wo sie am 26. Februar 2003 verstarb. Sie wurde im selben Grab wie ihr Vater beigesetzt.
