Rosa Maria R. geb. Tintner
Georg
Christian
Rosa R. war die Tochter von Rudolf Tintner und seiner nicht-jüdischen Frau Johanna Ludwig. Nach der Volksschule und Unterstufe bei den Englischen Fräulein besuchte sie die Handelsakademie in Wien. Während ihre ältere Schwester Elisabeth nach der Scheidung der Eltern bei ihrem Vater blieb, zog Rosa mit ihrer Mutter in das Haus in der Wiener Straße 65 in St. Pölten. 1928 heiratete Johanna Ing. Karl Ruprecht, der Rosa 1937 adoptierte. Als ihr Stiefvater nach einem Unfall in die Invalidenpension gehen musste, übernahm Rosa die Leitung der Tankstelle – eine rechtlich schwierige Situation, da sie noch nicht großjährig war, doch wurde ihr schließlich die Führung des Betriebs bewilligt. Rosa wurde katholisch erzogen und erfuhr erst spät von der jüdischen Herkunft ihres Vaters. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 reagierte sie rasch und heiratete noch im März heimlich ihren Verlobten Karl R. in einer Kapelle des St. Pöltner Doms.
Als Rudolf Tintner nach Wien umziehen musste, unterstützte sie ihn tatkräftig, stellte zahlreiche Anträge und versuchte nach seiner Verhaftung sogar persönlich, in Wien in der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in der Prinz-Eugen-Straße für ihn zu intervenieren. Nach seiner endgültigen Festnahme wagte sie sich sogar in die Gestapo-Zentrale am Morzinplatz. Neben ihren Bemühungen, Rudolf juristisch zu helfen, unterstützte sie ihn auch mit Lebensmitteln – sowohl in Wien als auch später in Theresienstadt. Ihre Familie sparte sich die Nahrung vom Mund ab, um ihn zu versorgen.
Ihr Mann Karl R. wurde zur Wehrmacht eingezogen und diente zunächst an der Ostfront, später in Frankreich. Dort verlangte man von ihm, sich von Rosa scheiden zu lassen, was er verweigerte. Daraufhin wurde er unehrenhaft entlassen. Nach dem Krieg führte Rosa die Tankstelle weiter und wurde Mutter von drei Söhnen. Rosa R. verstarb am 21. Dezember 2012 in St. Pölten. Die Familie wünscht die Anonymisierung.
