Karl Rahm

Geburtsdatum: 1907-04-02
Sterbedatum: 1947-04-30, Litomerice
Beruf: Metallarbeiter, in der NS-Zeit: Zentralstelle für jüdische Auswanderung später letzter Lagerleiter Theresienstadt, Ghettokommandant Feb. 1944 - Mai 1945
Vater: Karl Franz
Mutter: Wilhelmina geb. Soldan
Ehepartner/in: Anna Bauer
Kind/er: Elfriede Gertrud

Der am 2. April 1907 in Klosterneuburg geborene Karl Rahm wuchs in kleinbürgerlichen Verhältnissen auf und machte eine Lehre als Maschinenschlosser und Installateur. Aufgrund der Wirtschaftskrise geriet er in Arbeitslosigkeit und trat der Metallgewerkschaft der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei sowie dem Schutzbund bei. Von 1927 bis 1933 diente er in der Armee, fand danach aber keine feste Anstellung und war nur gelegentlich beschäftigt. Am 1. Februar 1934 schloss er sich der bereits verbotenen NSDAP (Nummer 296.534) und SS an und beteiligte sich an einer Reihe illegaler Aktionen. Seine ­ offizielle NSDAP-Mitgliedschaft beantragte er jedoch erst im Mai 1938, weswegen er eine hohe Mitgliedsnummer (6.222.124) erhielt. Ab Mai 1935 fand er mit Unterstützung der NSDAP eine Anstellung als Maschinenschlosser und war bis März 1938 Zellenleiter der „Nationalsozialistischen Betriebsorganisation“ in Klosterneuburg.

Nach dem „Anschluss“ wurde er aufgrund seines Militärdienstes unmittelbar zum Hauptscharführer der SS ernannt. Im November 1938 wechselte er zu den Pionieren der SS. Seine Bewerbung bei der Kriminalpolizei wurde an den Inspekteur der Sicherheitspolizei Wien weitergeleitet, der ihn im Februar 1939 in der „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ anstellte. Im Oktober 1940 erfolgte seine Versetzung nach Prag, wo er zum stellvertretenden Leiter der „Zentralstelle“ aufstieg und den Rang eines Obersturmführers erreichte.

Im Februar 1942 übernahm er die Leitung des Ghettos The­resien­stadt, da ihm – im Gegensatz zu seinem Vorgänger Siegfried Seidl – die Durchführung der „Verschönerungsaktion“ zugetraut wurde. Sein Verhalten in The­resien­stadt wird in den Berichten sehr unterschiedlich beschrieben. Während er sich in seinem Prozess 1947 als „Judenfreund“ gerierte und auch einige Zeitzeugenaussagen ihn im Vergleich zu anderen SS-Funktionären wie Haindl und Seidl als weniger brutal schildern, wird ihm in anderen Berichten vorgeworfen, persönlich über Deportationen nach­ Auschwitz entschieden zu haben. Er soll systematisch gelogen haben, um Opfer zu täuschen und sich laut Aussagen anderer SS-Angehöriger bei der Ermordung von Dr. Paul Eppstein wie ein „sadistisches Tier“ verhalten haben.

Rahm flüchtete vor der Roten Armee und versteckte sich in Salzburg. Dort wurde er von amerikanischen Truppen verhaftet und im Internierungslager Glasenbach festgehalten. Im Jänner 1947 wurde er an die Tschechoslowakei ausgeliefert, wo ihm in Litoměřice der Prozess gemacht wurde. Am 30. April 1947 wurde er dort, keine fünf Kilometer von The­resien­stadt entfernt, nach einem Todesurteil gehängt. Seine Witwe klagte später das Sozialministerium, weil es ihr eine Witwenpension verweigert hatte. Der Verwaltungsgerichtshof hob den Bescheid auf und rehabilitierte Rahm mit der Begründung, dass „die Handlungen Rahms[…] übrigens bis 1945 straffrei waren“.

Genannt in Tagebucheintrag:
Stammbaum
Karl Franz?Wilhelmina Soldan?Karl Rahm1907 – 1947Anna Bauer?Elfriede Gertrud? Fokus-Person Verlinkt Partner/in Abstammung Partnerschaft