Wolf Wilhelm Spinrad
Wolf Wilhelm Spinrad entstammte einer wohlhabenden galizischen Kaufmannsfamilie und kam vermutlich noch während des Ersten Weltkriegs nach Wien. 1920 traf er auf den für seinen ausschweifenden Lebensstil bekannten ungarischen Grafen Paul Keglevich, der in Wien eine Verkaufsfiliale seines gleichnamigen Weinbrands eröffnen wollte. Spinrad überzeugte ihn, ihm und einem Kompagnon die Namensrechte zu überlassen, wofür er jährliche Tantiemen entrichtete. 1921 eröffnete die Fabrik am Arenbergring 12, Wien III, später folgte ein Standort in der Bachergasse 17 in Wien V, wo Spinrad selbst auch wohnte. Das Unternehmen expandierte rasch und er übernahm alle Anteile. Mit dem Erfolg investierte er in weitere Firmen, darunter Damase, Hob & Co, deren Tochtergesellschaft Funker & Co sowie die Branntweinbrennerei Ing. Mattausch. Die Familie besaß mehrere Immobilien im 3., 4. und 9. Wiener Gemeindebezirk sowie ein Anwesen in Bad Sauerbrunn. 1937 wurde Wolf Spinrad wegen Steuerhinterziehung angeklagt, doch berichteten die Zeitungen von keinem Urteil, weshalb davon auszugehen ist, dass der Prozess zugunsten des „galizischen Schnapsjuden“ ausgegangen sein dürfte.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde die Familie enteignet und die Weinbrandfabrik unter die „kommissarische Leitung“ von Heinrich Bauer gestellt, der das erfolgreiche Unternehmen innerhalb eines Jahres in den Konkurs trieb. Wolf und seiner Frau Klara gelang es, die beiden Kinder außer Landes zu bringen: Mathilde mit einem Kindertransport nach Großbritannien, Johann nach Kanada. Sie selbst schafften es aber nicht mehr. Wolf erlitt einen Herzinfarkt und erholte sich in einem Sanatorium, während sich Klara versteckte. Spätestens ab dem Jahreswechsel 1940/41 lebten die beiden getrennt an verschiedenen Orten in Wien. Anfang Juni 1943 wurden ihre Immobilien im 3. und 4. Bezirk versteigert.
Am 24. Juni 1943 wurde Wolf in der Wiener Stadtbahn festgenommen, nachdem er bei einem gescheiterten Versuch, der Verhaftung zu entkommen, aus dem Fenster gesprungen und verletzt liegen geblieben war. Einen Tag vor seinem 50. Geburtstag wurde er nach Theresienstadt deportiert. Am 30. September 1944 verstarb Wolf Spinrad in der Kleinen Festung. Mehrere Zeugen berichteten, dass er zu Tode geprügelt worden sei.
Seine Frau Klara überlebte versteckt in Wien und verstarb 1947. Sohn Johann lebte später in Miami, wo er 2001 starb. Tochter Mathilde kehrte nach Wien zurück und verstarb dort 2023.
