Löbl Gabriel Tintner

Geburtsjahr: 1789-1813, Austerlitz
Sterbedatum: 1866-08-31, Austerlitz
Beruf: Geschäftsmann
Adresse/n: Austerlitz 26

Die Familie Löbl Gabriel Tintner

Die Familie Tintner stammt aus dem südmährischen Austerlitz bei Brünn, wo sie seit der Mitte des 18. Jahrhunderts in den Büchern der jüdischen Gemeinde und auf dem Friedhof nachweisbar ist. Sie war kinderreich, doch erreichten wegen der hohen Säuglingssterblichkeit nur wenige das Erwachsenenalter. Die Tintners galten als „Handelsjuden“, die bereits früh Bürgerrechte erhielten. Mit zunehmendem Wohlstand erwarben sie nach und nach Grund und Boden, erschlossen diesen, errichteten Immobilien und verkauften sie dann weiter. Auffällig ist die frühe Wahl überwiegend deutscher Vornamen – zu einer Zeit, in der dies in der Region noch ungewöhnlich war. Auch die starke Bindung an den Staat zeigt sich deutlich: In jeder Generation finden sich Berufssoldaten und Beamte. Bemerkenswert ist zudem die Stellung der Frauen – nicht nur der verwitweten: Viele Schuldscheine liefen auf ihren Namen, was auf geschäftliche Eigenständigkeit und eigenes Vermögen schließen lässt.

Die religiöse Haltung der Familie Tintner ist nicht eindeutig zu bestimmen. Einerseits stellte bis zur Wende vom 19. auf das 20. Jahrhundert jede Generation mindestens einen Rabbiner, andererseits fehlen öffentliche Spuren religiösen Engagements wie Spenden für Synagogen oder Vereine, die üblicherweise in Lokalzeitungen verzeichnet wurden. Vieles deutet darauf hin, dass die Familie sowohl religiöser Tradition als auch bürgerlichen Werten verpflichtet war. Wie viele jüdische Familien in Mähren orientierten sich auch die Tintners ab der Mitte des 19. Jahrhunderts an einem typischen Migrationsmuster: Der erste Schritt führte in die nächstgrößere Stadt der Umgebung, die wirtschaftliche Basis wurde verbreitert, die Kinder erhielten höhere Bildung, und schließlich zog die Familie weiter in die Universitätsstädte, vor allem nach Prag oder Wien.

Löbl Gabriel Tintner, geboren 1789 in Austerlitz, war der Letzte dieser Linie, der seine Geburtsstadt nicht verlassen hatte. Er war Kaufmann, zweimal verheiratet und Vater zahlreicher Kinder, von denen viele bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter starben. Einige Linien seiner Kinder entwickelten sich jedoch weiter und prägten die Familiengeschichte nachhaltig.

Stammbaum
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