Ing. Leo Holzer

Geburtsdatum: 20.01.1902
Sterbedatum: 21.10.1987, Prag
Beruf: Chemiker, Feuerwehr
Adresse/n: Unter-Radlberg
Vater: Jakob
Ehepartner/in: Marianne Hacker
Vilma Fischer(ova)
Kind/er: Alfred
Wurde nach Karlsbad abgemeldet.
Leo Holzer wurde am 14.02.1941 nach Theresienstadt deportiert.
Ghetto-Adresse: Hauptstraße 2, Theresienstadt
Parkstraße 2, Theresienstadt
Lagerberuf: Kommandant der Feuerwehr und des Katastrophenschutz

Ing. Leo Holzer wurde am 20. Jänner 1902 in Mißlitz als jüngstes der vier Kinder von Jakob, einem Kantor, und Rosa, geb. Schlesinger, geboren. Die tiefreligiöse Familie stammte ursprünglich aus dem Burgenland, zog jedoch aufgrund der Anstellung Jakobs nach Mähren. Leo Holzer besuchte die Bürgerschule und wechselte dann in das Staatliche Textilinstitut Brünn. Bereits 1917 trat er dem Rettungsdienst bei und engagierte sich später bei der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt. Nach dem Ersten Weltkrieg absolvierte er ein Volontariat bei der Farbenfabrik Höchst bei Frankfurt am Main. 1922 wurde er Chef­chemiker der Firma Schüller & Co in Unter-Radlberg bei St. Pölten, wo er eine Betriebsfeuerwehr gründete und als erster Kommandant leitete. 1925 heiratete er Marianne Hacker, die Tochter eines Holzhändlers. Über den St. Pöltner Branddirektor Friedrich Sommer lernte er Dr. Friedrich Tintner, den älteren Bruder Rudolfs, kennen. Gemeinsam entwickelten sie ein neues Ausbildungskonzept für Erste Hilfe. Auch in der technischen Weiterentwicklung setzten sie – zusammen mit Dr. Isidor Rosner von der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft – neue Maßstäbe. Insgesamt reichten sie 38 Patente für den Rettungsdienst ein, darunter innovative Verpackungen für Verbandsmaterial bis hin zum Rettungswagen. 1929 wurde Leo Holzers Sohn Alfred geboren.

1936 übernahm Leo Holzer eine Position als Fabrikdirektor in der Nähe von Karlsbad, wo er sich erneut der Betriebsfeuerwehr anschloss. Nach dem Einmarsch der Deutschen Truppen ins „Sudetenland“ zog die Familie nach Brünn, wo Leo als Konsulent arbeitete und seinen Vater bei sich aufnahm. Später übersiedelten alle gemeinsam nach Prag. Nach der Annexion der „Rest-Tschechei“ wurde Leo Holzer vorgeladen und dem Transport AK II („Aufbaukommando II“) nach The­resien­stadt zugewiesen.

Vor Ort erhielt er den Auftrag, die Feuer- und Zivilschutzeinheiten des Ghettos sowie der Kleinen Festung aufzubauen und zu leiten. Zehn Tage nach ihm wurden auch seine Ehefrau Marianne und Sohn Alfred nach The­resien­stadt deportiert, blieben jedoch wegen Holzers Funktion vor der weiteren Deportation in den Osten geschützt. Im Februar 1945 kam es im Ghetto immer wieder ohne ersichtlichen Grund zu Bränden. Als Holzer den Ursachen nachgehen wollte, wurde er verhaftet.

Heute ist bekannt, dass die Feuer von der SS absichtlich gelegt wurden. Nach seiner Freilassung brachen nahezu zeitgleich 12 bis 14 Brände aus. Beim Versuch ihrer Bekämpfung wurde Holzer von Lagerkommandant Rahm bewusstlos geschlagen – ein Vorfall, den Rahm 1946 im Prozess gestand. Ende April, Anfang Mai 1945 wurden zahlreiche Häftlinge aus anderen Ghettos, Konzentrations-, Arbeits- und Sammellagern auf Todesmärschen Richtung Westen getrieben und erreichten auch The­resien­stadt, was zu massiven Überbelegungen und einem erneuten Anstieg von Infektionen führte. Als in der Kleinen Festung die Wasserversorgung zusammenbrach, versuchte Holzer diese wiederherzustellen. Dabei wurde er von Lagerleiter Heinrich Jöckl schwer verletzt.

Nachdem die Wachmannschaften geflohen waren, übertrug das Internationale Rote Kreuz Leo Holzer die Leitung des Ghettos und der Kleinen Festung – eine Aufgabe, die er bis zum 23. August 1945 innehatte. Leo Holzer, Ehefrau Marianne und Sohn Alfred zogen wieder nach Prag. Holzer stieg erneut bis zum Feuerwehrkommandanten auf und pflegte Kontakte zu seinen ehemaligen Kameraden in Österreich und Deutschland. ­ Marianne verstarb 1954, Leo Holzer 1987.

Genannt in Tagebucheintrag:
Stammbaum
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