Ing. Siegfried Kolisch

Geburtsdatum: 17.02.1891, Wien
Sterbedatum: 15.12.1960, Wien
Beruf: Architekt und Stadtbaumeister
Vater: Ignaz
Mutter: Anna geb. Steiner
Haft: 23.12.1938 Dachau
Siegfried Kolisch wurde am 26.06.1943 nach Theresienstadt deportiert.
Ghetto-Adresse: L 312/Bod.
B IV/Bod.
Langegasse 12/Bd.
Rathausgasse 17
Berggasse 4
Rathausgasse 2
Lagerberuf: Bautenabteilung

Siegfried Kolisch wurde am 17. Februar 1891 in Wien als Sohn von Ignaz und Anna, geb. Steiner, geboren. Er war professioneller Fußballer und Oberleutnant, sodass während des Ersten Weltkriegs jede Belobigung, jeder Orden und jede Beförderung nicht nur von der Armee, sondern auch von der Kampfmannschaft der Hakoah veröffentlicht wurde. Im Sommer 1917 wurde er schwer verletzt und kam in das Wiener Heeresspital, ließ sich aber nach der Genesung wieder an die Front versetzen.

Nach Kriegsende inskribierte er, hochdekoriert, an der Technischen Hochschule einen Ingenieurkurs und eröffnete 1926 sein eigenes Büro. Parallel dazu war er in leitender Funktion beim Bund jüdischer Frontkämpfer (BJF) tätig. Im Zuge der „Anschluss-Pogrome“ wurde Siegfried Kolisch verhaftet und nach Dachau verschleppt. Nach seiner Freilassung im Dezember 1938 bemühte er sich nicht nur um seine Ausreise – das „Auswanderungsamt“ bewilligte ihm jedoch keine Mittel, obwohl er bereits Affidavits für die USA hatte –, sondern insbesondere darum, dass die Nationalsozialisten ihre eigenen Gesetze einhielten:

Er kämpfte bei nahezu jedem Deportationszug um die ehemaligen Frontkämpfer und Hochdekorierten, da diese per Gesetz von den Deportationen ausgenommen hätten sein müssen. Der BJF entsandte ihn daher in den Vorstand der Kultusgemeinde. Siegfried Kolisch wurde delogiert und musste im „Umschulungslager“ Gut Sandhof bei Waidhofen an der Ybbs Zwangsarbeit leisten.

Im Juni 1943 wurde er gemeinsam mit seiner Mutter Anna nach The­resien­stadt deportiert, wo er in der Bautenabteilung arbeitete. Er schaffte es, dass beide überlebten und nach Wien zurückkehren konnten. Hier wurde er – neben Univ.-Prof. Dr. Heinrich Klang – eine der zentralen Figuren in Fragen der Restitution und generell der Rechtsprechung: Er sagte beispielsweise als Zeuge gegen Anton Brunner (Brunner II) oder den Leiter von Gut Sandhof aus und trat als Baugutachter auf, um von den Nationalsozialisten durchgeführte Schätzungen von Gebäuden, Grundstücken und Wohnungen zu bewerten. Im Februar 1954 verstarb seine Mutter Anna, im Dezember 1960 er selbst.

Genannt in Tagebucheintrag:
Stammbaum
Ignaz?Anna Steiner?Ing. SiegfriedKolisch1891 – 1960 Fokus-Person Verlinkt Partner/in Abstammung Partnerschaft
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