General Emil Sommer
Emil Sommer wuchs als Sohn eines wohlhabenden Geschäftsmannes in der Süd-Bukowina auf. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Suczawa absolvierte er die Infanterie-Kadettenschule in Budapest, die Korps-Offiziersschule in Hermannstadt und schließlich den Stabsoffizierskurs in Wien. Während des Ersten Weltkriegs war er Bataillonskommandeur an der Ostfront, wurde 1915 in einer Karpatenschlacht verletzt und geriet in Kriegsgefangenschaft, aus der ihm über Finnland die Flucht gelang. Zurück in Österreich wurde er zum Oberstleutnant befördert und sofort an die italienische Front versetzt, wo er bis zum Oberst aufstieg. Nach dem Krieg trat er in die österreichische Armee ein, nahm unter anderem am „Burgenländischen Abwehrkampf“ teil und wurde zum Generalmajor ernannt. 1924 ging er in den militärischen Ruhestand.
1932 war er maßgeblich an der Gründung des Bunds Jüdischer Frontsoldaten beteiligt, verließ diesen aber zwei Jahre später und gründete die „Legitimistischen jüdischen Frontkämpfer“, die der Monarchie und insbesondere Otto Habsburg nahestanden. In vielen Berichten wird erzählt, dass er im März 1938 von NS-Schergen für eine „Reibpartie“ abgeholt werden sollte, diese jedoch von ihm abließen, als er in Uniform auf die Straße trat. Er wurde jedoch in einer Seitengasse misshandelt, wie Gerald Lamprecht eruierte, dem hier für die Information gedankt wird. Emil Sommer musste seine repräsentative Wohnung in bester Wiener Innenstadtlage aufgeben und zog mit seiner Frau Anna, seinem Bruder Michael und seiner Schwägerin Eveline in eine Sammelwohnung im 2. Bezirk.
Von dort wurden sie am 10. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Als ranghöchster jüdisch-österreichischer Militär galt Emil Sommer in Theresienstadt als „Prominenter“. Sein Bruder Michael verstarb bereits zwei Monate nach der Ankunft an den katastrophalen Bedingungen, dessen Frau Eveline ein Monat darauf.
Anna und Emil überlebten und kehrten mit dem letzten Transport im August 1945 nach Wien zurück. Ihrer 1909 geborenen Tochter Erika gelang die Flucht über Großbritannien in die USA. Bei einem Besuch bei dieser verstarb Emil im Sommer 1947. Seine Urne wurde überführt und am Wiener Zentralfriedhof im Familiengrab beigesetzt. Seine Frau Anna verstarb 1970. Erika starb 1987 in Sharon (Connecticut). Wie sein 1911 geborener Sohn Anton den Holocaust überlebte, ist unklar, er lebte jedenfalls nach dem Krieg wieder in Wien und verstarb dort 1992.
collections.arolsen-archives.org
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