- Bertha
- Schwarz
- Grünfeld
- alt. Vorname: Berta
- alt. Nachname: Schwarcz
- Geburtsdatum: 27.11.1880
- Geburtsort: Pilsen
- goo.gl
- Sterbeort: Izbica
- goo.gl
- Beruf: Privatier
- Adresse/n:
- Rennbahnstraße 16, St. Pölten, www.openstreetmap.org
- Vater: Ludwig
- Mutter: Gabriele
- Fleisch
- Ehepartner/in:
- Siegfried, neuer Friedhof
- Kind/er:
- Egon, Memorbuch
- NS-Schicksal: Am 31. August 1939 Zwangsumsiedlung in die Große Stadtgutgasse 28/28, Wien 2; am 5. Juni 1942 nach Izbica deportiert
- abgemeldet am: 31.08.1939
- abgemeldet nach: Große Stadtgutgasse 28/28, Wien 2
- deportiert am: 05.06.1942
- deportiert nach: Izbica
- Steine der Erinnerung:
Die Familien Schwarz und Mahler
Der Stammvater der beiden Familien, Siegfried Schwarz, 1867 in St. Pölten geboren und dort 1927 verstorben, war zweimal verheiratet. Mit Camilla, geb. Frank, die 1907 mit nur 27 Jahren starb, hatte er die Kinder Hermann, Johanna und Alice, aus seiner zweiten Ehe mit Bertha, geb. Grünfeld, entstammte Sohn Egon.
Bertha Schwarz, geb. Grünfeld
„Ich glaube daher, dass im gegenständlichen Fall alle Voraussetzungen dafür gegeben sind, die Angelegenheit dringlich im aufrechten Sinn zu behandeln, da sonst meine arischen Klienten schweren Schaden erleiden würden. Ich bitte daher um umgehende Erledigung und zeichne Heil Hitler!“ Rechtsanwalt Dr. Hans Geiger an die Vermögensverkehrsstelle, Abteilung Liegenschaften, bezüglich Verkauf des Hauses Rennbahnstraße 16, St. Pölten, 27. 12. 1938
Bertha wurde am 27. November 1880 in Pilsen (Böhmen) als eines der acht Kinder des Kaufmanns Ludwig Grünfeld und seiner Frau Gabriele, geb. Fleisch, geboren. Wann sie den seit Juni 1907 verwitweten Siegfried Schwarz heiratete und nach St. Pölten zog, ist nicht bekannt, doch kam hier am 23. Mai 1913 Sohn Egon Jehuda zur Welt. Am 17. August dieses Jahres wurde die prächtige Synagoge eingeweiht. Für das mit bunten Mosaiken verglaste Fenster über dem Toraschrein in Form eines Davidsterns spendete das Ehepaar Schwarz 240 Kronen und ließ darauf seinen Namen verewigen. Siegfried Schwarz war 1907 Gründungsmitglied des Tempelbauvereins und hatte den Bau mit 1.000 Kronen und der Finanzierung eines Fensters unterstützt. 1908/1909 war er Gemeindevorsteher und sowohl er als auch seine Kinder engagierten sich in verschiedenen Bereichen der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) St. Pölten. Er führte in der Rennbahnstraße 16 die Firma „Alexander Schwarz & Söhne“ für die Verwertung von Fellen und Häuten sowie den entsprechenden Handel, den bereits sein Vater gegründet hatte. Siegfried starb mit nur 50 Jahren am 10. Mai 1927, zwei Wochen vor dem 14. Geburtstag seines jüngsten Sohnes Egon. Den Betrieb übernahm Bertha mit ihren Stiefkindern Johanna, geb. 1900, und Hermann, geb. 1905, als gleichberechtigte Gesellschafter. Zu Jahresende 1935 ersuchten alle drei die IKG St. Pölten – Bertha wird als „ältere, nicht mehr sehr arbeitsfähige, kränkliche Frau“ bezeichnet – aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage um Reduktion der Kultussteuern. Der Ton des Schreibens ist durchaus scharf: „Es ist für uns unvorstellbar, daß in der Schätzungskommission lauter weltfremde Privatiers sitzen, die vom wirtschaftlichen Leben, den furchtbaren Kämpfen der Kaufmannschaft im Jahre 1935 keine Ahnung haben.“
Bereits unmittelbar nach dem „Anschluss“ wurde die Firma beraubt, ab Juni 1938 durch den kommissarischen Leiter – seit 1934 „Ortsgruppenleiterstellvertreter“ der damals illegalen NSDAP – Hugo Mrazek zwangsweise liquidiert und das Vermögen beschlagnahmt. Wie dieser in seinem „Schlussbericht über die Liquidierung“ vom 27. Juli 1938 festhielt, war das „Geschäftsergebnis des ersten Halbjahres sehr gut und beträgt nicht weniger als RM [Reichsmark] 12.585,47“.
Der Betrieb hatte sich also offensichtlich erholt und beschäftigte außer den Familienmitgliedern auch zwei Arbeiter. An sonstigen Vermögenswerten bezifferte Mrazek das Geschäfts- und Wohnhaus inklusive Einrichtung mit RM 41.705,14 sowie ein Motorrad mit RM 835,40, allerdings: „Bezüglich des Motorrades be merke ich, dass selbiges seinerzeit von der NSKK beschlagnahmt wurde und derzeit noch nicht ausgefolgt ist.“ Diese „wilde Arisierung“, der Raubzug durch das „Nationalsozialistische Kraftfahrkorps“, hatte vermutlich unmittelbar nach dem „Anschluss“ stattgefunden. Selbstverständlich hatte sich Hugo Mrazek für seine Liquidationstätigkeit aus dem Firmenvermögen ein Honorar ausbezahlt, das er mit RM 53,33 pro Woche angab.
Am 29. Oktober 1938 verkauften Hermann und Egon Schwarz sowie Johanna, verheiratete Mahler, ihr Firmen- und Wohnhaus in der Rennbahnstraße 16 an Oskar und Veronika Zottleder, doch wurde der Kaufvertrag von der Vermögensverkehrs stelle erst am 11. März 1939 genehmigt. Auch dann konnten die Geschwister nicht über den Erlös verfügen, denn der Kaufpreis wurde auf ein so genanntes Sicherungskonto beim Creditanstalt-Bankverein, Filiale St. Pölten, überwiesen – Hugo Mrazek erwähnt es als „Sperrkonto“. Davon gingen von Oktober 1939 bis Oktober 1940 monatlich 200 Reichsmark an Bertha, dieselbe Summe bis Februar 1940 an Hermann und bis Juni 1940 an Johanna. Für die Bezahlung von Umzugs- und Reisekosten sowie Visa standen also keine Mittel zur Verfügung. Wie bei so vielen anderen verhinderten die mutwillige Vorenthaltung der Verkaufserlöse und die bürokratischen Schikanen eine rechtzeitige Flucht.
In ihrer Vermögensanmeldung vom 15. Juli 1938 gab Bertha Schwarz außer der Teilhaberschaft am Geschäft noch 1.000 Reichsmark für Schmuck und Wertgegenstände an. Ob ihr diese belassen wurden, ist zu bezweifeln – wahrscheinlicher ist, wie auch in zahlreichen anderen Fällen belegt, die Zwangsabgabe an das Dorotheum. Am 31. August 1939 meldete sich Bertha nach Wien 1, Wollzeile 15 ab, musste im Oktober in den 2. Bezirk in die Große Stadtgutgasse 28/28, umziehen und wurde von dort am 5. Juni 1942 nach Izbica deportiert. Der Tag ihrer Ermordung ist nicht bekannt.
The Schwarz and Mahler families
The patriarch of both families, Siegfried Schwarz, was born in St. Pölten in 1867, was married twice, and died there in 1927. Together with Camilla, née Frank, who died in 1907 aged only 27, he had three children, Hermann, Johanna, and Alice, while his son Egon was born from his second marriage with Bertha, née Grünfeld.
Bertha Schwarz, née Grünfeld
“I therefore believe that in the case at hand all conditions have been met to urgent ly deal with this issue in an upright manner, as my Aryan clients will otherwise suffer severe damages. I therefore request an immediate resolution and sign off with Heil Hitler!” Lawyer Dr. Hans Geiger to the Property Transaction Office, department for real estate, regarding the sale of the house at Rennbahnstraße 16, St. Pölten, December 27, 1938
Bertha was born in Pilsen (Bohemia) on November 27, 1880, as one of the eight children of the merchant Ludwig Grünfeld and his wife Gabriele, née Fleisch. It is not known when she married Siegfried Schwarz, who had been a widower since June 1907, and moved to St. Pölten, yet their son Egon Jehuda was born there on May 23, 1913. On August 17 of that year, the magnificent synagogue was inaugurated. The Schwarz couple donated 240 Crowns for the window in the form of a Star of David and decorated with colorful mosaics above the Torah Shrine, upon which their names were inscribed. Siegfried Schwarz became a founding member of the Temple Construction Association in 1907 and supported the building with a donation of 1,000 Crowns as well as supporting the funding for a window. He served as head of the Jewish community in 1908/1909 and both he and his children were active in various spheres of the St. Pölten Jewish community organization. He ran the company “Alexander Schwarz & Söhne” founded by his father at Rennbahnstraße 16, which processed and traded in furs and hides. Siegfried died aged only fifty on May 10, 1927, two weeks before the fourteenth birthday of his youngest son, Egon. Bertha took over the business together with her stepchildren Johanna (born 1900) and Hermann (born 1905) as equal partners. At the end of 1935, all three of them submitted a request to the St. Pölten Jewish community organization – in which Bertha was described as an “elderly, sickly woman no longer particularly capable of working” – to have their religious community tax reduced due to the bad economic situation. The tone of the letter is very harsh: “We cannot imag ine that the appraisement committee is made up of unworldly privateers who have no idea about the economic life and the terrible struggles of the merchant class in the year 1935.”
Immediately following the “Anschluss,” the company was robbed and from June 1938 onward, the acting director Hugo Mrazek – who had been “deputy local party head” of the Nazi Party since 1934, when it was still banned – enforced its liquidation and the confiscation of its assets. As Mrazek reported in his “final report on the liquidation” dated July 27, 1938, the “business result for the first two quarters was very good, totaling no less than 12,585.47 Reichsmark.” The company had thus obviously recovered and by then employed two workers outside of the family. Mrazek estimated that the remaining assets, namely the company and residential building including furnishings and a motorbike, were worth 41,705.14 Reichsmark and 835.40 Reichsmark, respectively, although he noted: “Regarding the motorbike, I wish to note that this has already been confiscated by the NSKK and has to date not been returned.” This “wild Aryanization,” meaning an act of theft by the “Nationalsozialistische Kraftfahrkorps” (National Socialist Motor Corps), presumably took place immediately following the “Anschluss.” Naturally, Hugo Mrazek paid himself a fee from the company’s assets for his liquidation activities, which he registered as 53.33 Reichsmark per week.
On October 29, 1938, Hermann and Egon Schwarz together with Johanna, married name Mahler, sold their company and residential building at Rennbahnstraße 16 to Oskar and Veronika Zottleder, though the sales contract was only approved by the Property Transaction Office on March 11, 1939. Even then, the siblings were not granted the proceeds, as the sales price was transferred to a so-called secure account at the St. Pölten branch of the Creditanstalt-Bankverein – Hugo Mrazek called this a “frozen account.” 200 Reichsmark per month were paid from this account each to Bertha from October 1939 to October 1940, to Hermann until February 1940, and to Johanna until June 1940. This meant that they had no money available to pay for the cost of removals, travel, or visas.
As happened in so many other cases, this malicious withholding of the sales proceeds and the bureaucratic hurdles prevented them from fleeing on time. In her Property Registration dated July 15, 1938, Bertha Schwarz listed alongside her shares in the business an additional 1,000 Reichsmark worth of jewelry and valuables. It is doubtful whether she was allowed to keep these – more probably, as is also documented in numerous other cases, she was forced to hand these over to the Dorotheum. On August 31, 1939, Bertha deregistered to Wollzeile 15 in Vienna’s first district, before being forced to relocate to Große Stadtgutgasse 28/28 in the second district in October. On June 5, 1942, she was deported from there to Izbica. The date she was murdered is not known.
- Links:



