- Blanka Hermine
- Kreidl
- Geburtsdatum: 15.03.1914
- Geburtsort: St. Pölten
- www.google.at
- Sterbeort: Izbica
- goo.gl
- Beruf: Kauffrau, Schneiderin
- Adresse/n:
- Untere Augartenstraße 6/10, Wien 2, www.openstreetmap.org
- Schubertstraße 23, St. Pölten, www.openstreetmap.org
- Vater: Jakob Isidor
- Memorbuch
- Mutter: Gisela
- Traub
- Memorbuch
- NS-Schicksal: Zwangsumsiedlung in die Glockengasse 15/7, Wien 2. Am 12. Mai 1942 nach Izbica deportiert
- Zwangsadresse:
- Glockengasse 15/7, Wien 2
- deportiert am: 12.05.1942
- deportiert nach: Izbica
- Steine der Erinnerung:
Jakob Isidor Kreidl, seine Frau Gisela und ihre Töchter Blanka und Hilda
„Irgend ein Veräußerungsauftrag oder ein Zwang zur Veräußerung bestand für die Verkäuferin nicht. Dieselbe war damals bereits in Wien II, Untere Augartenstraße wohnhaft.“ RA Dr. Hans Kraska an den Magistrat St. Pölten als Vertreter von Dr. Kurt und Dr. Grete Hanke zur Anmeldung arisierten Vermögens, St. Pölten, 26. 11. 1945
Dieses Verleugnen, die Notlage der bereits nach Wien zwangsübersiedelten Gisela Kreidl ausgenützt zu haben, bezieht sich auf das Wohnhaus „mit Garten und Garage“ der Familie Kreidl in der Schubertgasse 23. Bereits im September 1938 hatte die NSDAP gemeinsam mit der Stadt St. Pölten die Absicht, es als Heim für die Hitlerjugend zu erwerben, allerdings hatte das Ehepaar Georg und Anna Hausmann von Giselas Mann Jakob Isidor Kreidl im März 1937 ein Vorkaufsrecht erhalten. Trotzdem gelang dem Facharzt für Zahnheilkunde Dr. Kurt Hanke am 9. Juni 1939 der Kauf, der erst im Nachhinein von der Vermö gensverkehrsstelle genehmigt wurde. Ausschlaggebend mag schon im Vorfeld die Begründung gewesen sein, welche die Kreisleitung der NSDAP am 15. August 1939 an die Gestapo schickte: „Der Angefragte, der seit der Vorverbotszeit Mitglied der NSDAP ist, gehört ausserdem seit 1936 der SA an und trat stets und überall für die Belange der Bewegung ein.“
Der Besitzer des Hauses, Jakob Isidor Kreidl, wurde am 16. Jänner 1870 als eines der ersten jüdischen Kinder in St. Pölten geboren, die Eltern waren aus Böhmen zugewandert. Sein Vater, der „Lederzuschneider“ und Lederhändler Hermann Kreidl, war 1839 in Wittingau, seine Mutter Caroline, geb. Reiniger, 1844 in Altstadt geboren worden. Jakob hatte noch einen Bruder, Leopold, und zwei Schwestern namens Clara und Anna. Am 26. Juni 1904 heiratete er in Iglau die von dort gebürtige Gisela Traub, am 16. August 1881 als Tochter von Moritz und Eleonore, geb. Lederer, geboren. Zuerst lebten sie in Wien 14, Linzerstraße 67, wo am 2. September 1907 Tochter Hilda Karoline zur Welt kam. Spätestens 1912 übernahm der ebenfalls gelernte Lederzuschneider Jakob die Lederhandlung seines 1897 verstorbenen Vaters Hermann in dessen Haus in St. Pölten, Rathausgasse 8. Am 15. März 1914 wurde die zweite Tochter, Blanka Hermine, geboren. In den folgenden Jahren taucht die Familie nicht in den Quellen auf. Am 29. Juni 1931 heiratete die ältere Tochter Hilda in Baden bei Wien den Zahnarzt Dr. Alexander (Sandor) Samuel Friedlieb, am 22. Mai 1932 wurde in Bratislava ihre Tochter Ruth Eleonora geboren.
Aus Altersgründen und wegen seiner starken Sehbehinderung hatte der 67-jährige Jakob Isidor Kreidl bereits im März 1937, also ein Jahr vor dem „Anschluss“, sein Warenlager an das Ehepaar Georg und Anna Hausmann verkauft und das Gewerbe zu deren Gunsten zurückgelegt. Auch räumte er den beiden ein Vorkaufsrecht nicht nur auf das Haus Schubertgasse 23, sondern auch auf das Haus Rathausgasse 8 ein, wo die Hausmanns ab nun ihr Ledergeschäft betrieben. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten stellten sich sofort auch für dieses Haus Bewerber ein, doch konnte, wie von Jakob Isidor Kreidl gewünscht, das Ehepaar Hausmann am 6. Juni 1939 das Haus zum Schätzpreis von 26.000 Reichsmark erwerben. Der Kaufpreis fiel an die Vermögensverkehrsstelle, sollte aber, so im Vertrag, Jakob und Gisela Kreidl für die Ausreise zur Verfügung stehen. Doch noch ein halbes Jahr später drängte Jakob auf die Bestätigung des Vertrags, da er dringend ausreisen wollte und dafür die Mittel benötigte. Das Haus wurde als zweistöckig mit je einer Wohnung im 1. und 2. Stock, unterkellert, renoviert und „mit Stahl und Glas modern hergestellt“, in hervorragender Qualität und Lage beschrieben. Aufgrund der vorher erfolgten zumindest kollegialen, wenn nicht sogar freundschaftlichen Vereinbarungen zwischen Jakob Kreidl und den Hausmanns kann dieser Verkauf jedenfalls nicht als „Arisierung“ gewertet werden. Diese Kategorisierung wiesen die Käufer in einer Erhebung der Vermögensverkehrsstelle vom 25. August 1942 auch dezidiert von sich: „Das Gewerbe wurde am 15. März 1937 zugunsten des Georg Hausmann zurückgelegt. Die Eheleute Hausmann haben die im Geschäft befind lichen Waren im März 1937 vom früheren Besitzer Jakob Isidor Kreidl gekauft. Dieser Kauf hat mit einer Arisierung nichts zu tun.“
Jakob Isidor Kreidl und seine Frau Gisela waren laut ihrem Auswanderungsfragebogen bereits nach der Schließung des Geschäfts im Mai 1937 nach Wien 2, Untere Augartenstraße 6/2, gezogen. Jakob gab an, mit seiner Frau nach „Palestina oder USA“ auswandern zu wollen und nannte auch vier Kontaktpersonen. Ob er aus gesundheitlichen Gründen nicht dazu in der Lage war oder ob ihn die NS-Behörden aufgrund der festgesetzten hohen Reichsfluchtsteuer von mehr als 60.000 Reichsmark nicht ausreisen ließen, ist nicht zu entscheiden. Jedenfalls liegen der Vermögensanmeldung mehrere Schreiben bei, mit denen Jakob und Gisela Kreidl Verminderungen ihres Vermögens mitteilten. Anfang November 1939 musste die Familie nach Wien 1, Biberstraße 8 übersiedeln und im Jänner 1940 meldete Jakob noch den Verkauf einer Lebensversicherung. Ob ihm der Erlös tatsächlich zur Verfügung stand, ist ebenfalls nicht zu klären. Nach neuerlicher Prüfung wurde die Reichsfluchtsteuer auf 43.000 Reichsmark herabgesetzt, zahlbar am 31. März 1941. Zu einem unbestimmten Zeitpunkt wurde er im Rothschildspital der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, dem einzigen Krankenhaus, das noch jüdische Kranke behandeln durfte, aufgenommen. Er stand bereits auf einer Deportationsliste, als er dort am 6. Juni 1941 starb.
Seine Tochter Blanka hatte laut ihrem Auswanderungsfragebogen im Geschäft ihres Vaters als „Verkäuferin, Auslagarrangeurin und Schneiderin mit Gesellenbrief“ gearbeitet und besaß auch Englischkenntnisse. Ihr Wunschziel war, unabhängig von den Eltern in den „USA, England oder Australien“ als Köchin oder Kindermädchen zu arbeiten. Obwohl sie einen Pass und auch finanzielle Mittel für die Reise besaß, musste Blanka mit ihrer Mutter mehrmals die Unterkunft wechseln: von der Biberstraße 8 zogen sie nach Wien 2, Franzensbrückengasse 8 und schließlich weiter in die Glockengasse 15/7. Von dort wurden sie am 12. Mai 1942 nach Izbica im Distrikt Lublin (Polen) deportiert. Wann sie den Massakern vor Ort oder der Vernichtung im nahe gelegenen Lager Belzec zum Opfer fielen, ist nicht bekannt.
Blankas ältere Schwester Hilda Karoline Friedlieb verblieb auch nach der NS-Machtübernahme mit ihrer Familie in Skalitza in der Slowakei, wo ihr Mann Alexan der mit einer Sondererlaubnis als Armeearzt arbeiten durfte. Ihre sieben jährige Tochter Ruth Eleonora schickten sie mit Alexanders Schwester Sidonie, genannt Sziddie, und deren Mann Eugen Hecht in das sichere Großbritannien. Wann und wohin Hilda und Alexander deportiert wurden, konnte bisher nicht herausgefunden werden. Als klar war, dass sie nicht überlebt hatten, adoptierte das Ehepaar Hecht ihre Nichte. Sie wanderte 1956 nach Kanada aus, gründete eine Familie und starb 1963 „nach langem Leiden“ mit nur 30 Jahren in Newark/Montreal.
Jakob Isidor Kreidl, his wife Gisela, and their daughters Blanka and Hilda
“The woman selling was not ordered or forced to do so. She was already residing on Untere Augartenstraße in Vienna’s second district at the time.” Dr. Hans Kraska, lawyer representing Dr. Kurt and Dr. Grete Hanke, to the municipal government of St. Pölten concerning the registration of Aryanized property, St. Pölten, November 26, 1945
This denial of having exploited the desperate situation of Gisela Kreidl after she had been forced to relocate to Vienna related to the Kreidl family’s house “with a garden and garage” at Schubertgasse 23. As early as September 1938, the Nazi Party and the city government of St. Pölten intended to acquire the property as a home for the Hitler Youth, yet the couple Georg and Anna Hausmann had been granted preemptive rights by Gisela’s husband, Jakob Isidor Kreidl, in March 1937. Regardless, the dentist Dr. Kurt Hanke managed to buy the property on June 9, 1939, with the sale only being approved retrospectively by the Property Transaction Office. An argument submitted by the district administration of the Nazi Party to the Gestapo on August 15, 1939, in advance of the sale, may have sealed the deal: “The addressee has been a member of the Nazi Party since before it was banned, has moreover been a member of the SA since 1936, and promotes the interests of the movement at every opportunity.”
The owner of the house, Jakob Isidor Kreidl, had been one of the first Jewish children to be born in St. Pölten, namely on January 16, 1870, to parents who had immigrated from Bohemia. His father, the “leather cutter” and leather merchant Hermann Kreidl, had been born in Wittingau in 1839, while his mother Caroline, née Reininger, had been born in Altstadt in 1844. Jakob also had a broth er, Leopold, and two sisters, Clara and Anna. On June 26, 1904, he got married in Iglau to Gisela Traub, who had been born there on August 16, 1881 to Moritz and Eleonore, née Lederer. The couple first lived at Linzerstraße 67 in Vienna’s fourteenth district, where their daughter Hilda Karoline was born on September 2, 1907. At the latest in 1912, Jakob, who had also trained as a leather cutter, took over the leather business of his father, who had died in 1897. The business was located in the latter’s house at Rathausgasse 8 in St. Pölten. On March 15, 1914, their second daughter, Blanka Hermine, was born. The family is not named in the available sources in the following years. On June 29, 1931, the elder daughter Hilda got married in Baden near Wien to the dentist Dr. Alexander (Sandor) Samuel Friedlieb. Their daughter Ruth Eleonora was born in Bratislava on May 22, 1932.
Jakob Isidor Kreidl had already sold his stock to the couple Georg and Anna Hausmann and vacated his business in their favor in March 1937, one year before the “Anschluss.” This was presumably due to his age (he was 67 at the time) and because of significant impairment to his vision. He also granted the couple preemptive rights not only to the house at Schubertgasse 23, but also to the house at Rathausgasse 8, where the Hausmanns henceforth ran their leather business. Following the Nazi takeover, there were immediate aspirants for that house, too, yet, as Jakob Isidor Kreidl had wished, the Hausmann couple were able to acquire it on June 6, 1939 for the valuation price of 26,000 Reichsmark. Whether the sales price was genuinely paid to Jakob and Gisela Kreidl or was confiscated by the Property Transaction Office cannot be ascertained, for half a year later Jakob was still urging that the contract be confirmed as he desperately wanted to emigrate and required means to be able to do so. The house was described as having two floors and a basement, as having been renovated and “constructed in a modern fashion with steel and glass,” and as being of a high quality and in a good location. Due to the previous arrangements between Jakob Kreidl and the Hausmanns, which can be described as at least collegial, if not amicable, this sale can in any case not be classed as an “Aryanization.” This categorization was also decisively rejected by the buyers in an inquiry conducted by the Property Transaction Office on August 25, 1942: “The business was vacated in Georg Hausmann’s favor on March 15, 1937. The Hausmann couple bought the wares located in the house from the former owner, Jakob Isidor Kreidl, in March 1937. This purchase has nothing to do with Aryanization.”
According to their emigration questionnaire, Jakob Isidor Kreidl and his wife Gisela already moved to Untere Augartenstraße 6/2 in Vienna’s second district in May 1937 after Jakob gave up his business. Jakob stated that he wished to emigrate with his wife to “Palestine or the United States” and cited four contacts there. It cannot be determined now whether he was not able to emigrate due to health reasons or whether the Nazi authorities barred him from leaving because he was unable to pay the high Reich Flight Tax of more than 60,000 Reichsmark that they had decreed. In any case, his Property Registration includes several letters in which Jakob and Gisela Kreidl informed the authorities of reductions to their assets. In early November 1939, the family was forced to move to Biberstraße 8 in Vienna’s first district, and in January 1940 Jakob declared that he had sold a life insurance policy. It is also unknown whether he receiv ed these proceeds. Following another review of his case, the Reich Flight Tax was reduced to 43,000 Reichsmark, payable by March 31, 1941. At an un known point in time, he was admitted to the Rothschild Hospital run by Vienna’s Jewish community organization, which was still allowed to treat Jew ish patients. His name was already cited on a deportation list when he died there on June 6, 1941.
According to her emigration questionnaire, his daughter Blanka had worked in her father’s business as a “salesperson, display window designer, and tailor with an apprenticeship diploma,” and also spoke some English. She wanted, independently from her parents, to emigrate to “the United States, England, or Australia” to work as a cook or nanny. Although she was in possession of a pass port along with means to fund the trip, Blanka was forced to relocate several times together with her mother: From Biberstraße 8, they moved to Franzensbrückengasse 8 in Vienna’s second district and finally on to Glockengasse 15/7. From there, they were deported to Izbica in Lublin District (Poland) on May 12, 1942. It is not known when they succumbed to the massacres there or to annihilation in the nearby Belzec camp.
Blanka’s older sister Hilda Karoline Friedlieb remained with her family in Skalitza, Slovakia, even after the Nazi takeover, where her husband Alexander had a special permit to work as an army doctor. They sent their seven-year-old daughter Ruth Eleonora along with Alexander’s sister Sidonie, known as Sziddie, and her husband Eugen Hecht to safety in the United Kingdom. When Hilda and Alexander were deported to Auschwitz could not be determined to date. When it became clear that they had not survived, the Hecht couple adopted their niece. Ruth Eleonora emigrated to Canada in 1956, established a family, and “after much suffering” died in 1963 in Newark/Montreal aged only thirty.
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