- Hermine
- Allina
- Rabl
- Geburtsdatum: 05.02.1866
- Geburtsort: Kartasowa/Tucap (Mähren)
- www.google.at
- Sterbedatum: 11.09.1942
- Sterbeort: Theresienstadt
- maps.app.goo.gl
- Beruf: Geschäftsfrau
- Adresse/n:
- Kremser Gasse 5, St. Pölten, www.openstreetmap.org
- Vater: Bernhard
- Mutter: Katharina
- Löwy
- Ehepartner/in:
- Sigmund, neuer Friedhof
- Kind/er:
- Irma, Memorbuch
- Gertrude, Memorbuch
- Emil, alter Friedhof
- Otto, Webseite besuchen
- NS-Schicksal: 6. Mai 1940 Zwangsumsiedlung nach Wien 2, Haidgasse 2/13; am 13. August 1942 nach Theresienstadt deportiert
- Steine der Erinnerung:
Hermine Allina, geb. Rabl
„Direkt hierher zu kommen ist unter den jetzigen Umständen leider ausgeschlossen. Ich kränke mich sehr darüber, da ich hoffte, Dich bald hier zu haben. Wir haben alles getan, was möglich ist – leider ohne Erfolg. Teuerstes Mutterl, trotz aller Schwierigkeiten hoffe ich doch, daß alles gut wird, glaube mir, genauso, wie Du Dich nach uns sehnst, sehnen wir uns nach Dir und denke ich Tag und Nacht an Dich.“ Trude Weiss, geb. Allina, an ihre Mutter Hermine, New York, 2. 12. 1941
Durch ihre Heirat mit dem elf Jahre älteren Sigmund Allina gehörte Hermine, am 19. Februar 1867 in Kartasowa/Tucap (Mähren) als Tochter von Bernhard Rabl und Katharina, geb. Löwy, geboren, zu den führenden Familien der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) St. Pölten. Von 1902 bis 1904 war Sigmund Vorstand sowie ab 1907 Mitglied des Bau- und Spendenkomitees für den Neubau der Synagoge. 1889 kam Tochter Irma zur Welt. Das nächste Kind, Emil, geboren 1891, überlebte nur fünf Wochen. Sicher zum großen Schmerz seiner Eltern starb mit acht Jahren auch sein Bruder Otto, beide sind auf dem alten jüdischen Friedhof St. Pölten begraben. Zwei Jahre nach seinem Tod, am 10. Juli 1901, schenkte Hermine wieder einem Mädchen, Gertrude, genannt Trude, das Leben. Ein vom St. Pöltner Fotoatelier Gustav Simon aufgenommenes Foto von ca. 1904 zeigt sie mit ihren beiden entzückenden Töchtern.
1917 traf Hermine Allina abermals ein Schicksalsschlag: am 19. August verstarb ihr Mann. Seine Todesanzeige in der Neuen Freien Presse würdigt ihn als Kaufmann, Hausbesitzer und Vorstandsmitglied der IKG, für seine Familie war er „heissgeliebter Gatte, edler und guter Vater und Großvater“. Sein Grabstein auf dem neuen jüdischen Friedhof St. Pölten ist noch erhalten.
Auch seine Tochter Irma, 1972 in Wien gestorben, ruht in diesem Grab. Sie hatte Robert Leicht geheiratet, den Sohn des langjährigen Kultusvorstands Albert Leicht, dessen Stellvertreter ihr Vater von 1910 bis 1913 gewesen war, und hatte mit ihm drei Töchter, Käthe, Lucie (Luzy) und Liesl. 1939 war sie mit Robert nach New York geflohen und nach dessen Tod 1953 nach Wien zu rückgekehrt. Käthe wurde im Ghetto Lublin ermordet, Lucie gelang die Flucht nach Palästina/Erez Israel und Liesl entkam in die USA.
Hermines jüngere Tochter Trude, verheiratete Weiss, lebte in Graz und konnte sich mit ihrem Mann Othmar und ihrem 1926 geborenen Sohn Fritz 1939 zuerst nach London und danach ebenfalls in die USA retten. Mit ihrem zweiten Mann Walter Hafner kehrte sie zeitweilig nach Österreich zurück. Sie starb 1987 in New York.
Auch als Witwe war Hermine Allina in der jüdischen Gemeinde engagiert: 1923 gründete sie mit mehreren Frauen und Männern der IKG St. Pölten ein sogenanntes Kinderhilfsaktionskomitee, das in Kooperation mit der IKG Wien notleidende jüdische Kinder aus Deutschland bei Privatfamilien unterbrachte und aufpäppelte. Im Jänner und Februar 1924 trafen 18 Buben und Mädchen aus Breslau, Hamburg und Leipzig in St. Pölten ein.
Als Erbin des Hauses Kremser Gasse 5, dessen Wert mit 38.500 Reichsmark beziffert wurde, musste Hermine Allina am 16. Juli 1938 eine Vermögenserklärung abgeben, allerdings war das Haus durch eine Hypothek belastet, die zu mehr als einem Drittel bei Albert Leicht, dem Schwiegervater ihrer Tochter, aufgenommen worden war. Welche familieninternen Vereinbarungen hinter dieser Transaktion standen, ist nicht überliefert. Weitere Vermögenswerte oder Wertgegenstände enthält das Verzeichnis nicht. Einige wenige bescheidene Gegenstände – „1 Becher, 1 Streuer, 1 kleiner Schöpfer, 3 Löffel, 3 Münzen 390 gr [Gramm] Silber“ – und andere Kleinigkeiten musste Hermine Allina am 4. Mai 1939 für die lächerliche Summe von 12 Reichsmark im Dorotheum in Wien 1, Spiegelgasse 4, abliefern. Möglicherweise besaß sie als langjährige Witwe tatsächlich kaum eigenes Vermögen, obwohl ihre Schwiegerfamilie zur wohlhabenden bürgerlichen Gesellschaft von St. Pölten gehörte. Es wäre also zu hoffen, dass sie eventuelle Wertpapiere, Hausrat, Schmuck und andere Dinge ihren Töchtern in die Migration hatte mitgeben können. Doch bestätigte Phyllis Weiss, Trudes Enkelin, dass beide Schwestern mittellos in den USA angekommen waren und unter schwierigsten Bedingungen eine neue Existenz aufbauen mussten. Daher ist anzunehmen, dass die alleinstehende 73-jährige Hermine von den Nationalsozialisten vollkommen ausgeraubt worden war. Im Mai 1939 hatte sie ihrer Tochter Trude noch kleine Päckchen mit „Vanillin Kipferln“ und Schokolade geschickt, im Februar 1941 war sie ihrerseits auf Hilfsgüter angewiesen: Trude schickte ihr Kaffee, Schokolade und „Damenstrümpfe Grösse 9“. Hermines große Sorge galt ihrer Hausgehilfin „Salie“, die über Jahrzehnte bei ihr im Dienst gewesen war, wie sie Trude am 25. Mai 1939 schrieb: „Wenn ich wenigstens schon die Salie versorgt hätte, über 40 Jahre war sie bei mir und jetzt, mit 78 Jahren, wohin?“
Am 6. Mai 1940 musste Hermine Allina zuerst nach Wien 2, Boecklinstraße 92/11, wo bereits das mit ihr verschwägerte Ehepaar Jakob und Stefanie Winterstein aus St. Pölten lebte, und zu einem unbekannten Zeitpunkt nach Wien 2, Haidgasse 2/13 übersiedeln. Am 2. Dezember 1941 schrieb Trude noch von der Hoffnung, ihre Mutter könne nach Kuba einreisen. Dieser liebevolle Brief, der auch „viele viele Bussis“ von Hermines geliebtem Enkelsohn Fritz enthielt, wurde am nächsten Tag in New York zur Post gebracht. Er kam jedoch ein halbes Jahr später, am 26. Juli 1942, mit dem Vermerk „return to sender“ zurück, wahrscheinlich, weil die Adresse Böcklinstraße 92 nicht mehr korrekt war. Eine Nachsendung in die Sammelwohnung in der Haid gasse erfolgte nicht. Zwei Wochen danach, am 13. August 1942, wurde Hermine Allina im Alter von 75 Jahren und vermutlich bereits krank nach Theresienstadt deportiert. Auch Sabina Allina, die Frau ihres Schwagers Jakob, war in diesem Transport, ihr wurde bereits 2021 in der Kremser Gasse 5 ein Stein der Erinnerung gesetzt. Weitere 16 Menschen wurden von der Adresse Haidgasse 2 in den Tod geschickt. Von den 1.006 im Transport IV/7 Deportierten überlebten nur 81. Hermine erlag bereits drei Wochen später, am 11. September 1942, in Theresienstadt im „Zeughaus“, Saal 2, ihren schweren Leiden.
Hermine Allina, née Rabl
“Coming directly here is unfortunately completely out of the question under the current circumstances. I’m very bitter about this, because I was hoping to have you here soon. We have done everything in our power – sadly without success. Dearest mother, despite all difficulties, I do hope that everything will turn out well. Believe me, just as you long for us, so we long for you and think of you day and night.” Trude Weiss, née Allina, to her mother Hermine, New York, December 2, 1941
Hermine was born to Bernhard Rabl and Katharina, née Löwy, in Kartasowa/Tucap (Moravia) on February 19, 1867. Through her marriage with Sigmund Allina, who was eleven years her senior, she belonged to one of the leading families of the Jewish community organization in St. Pölten. Sigmund was the head of the board from 1902 to 1904 and from 1907 served as a member of the Construction and Donation Committee for the new synagogue building. In 1889, their daughter Irma was born. The next child, Emil, was born in 1891 but only lived for five weeks. The parents were surely devastated that his brother Otto also died at the age of eight. Both are buried in the Jewish cemetery in St. Pölten. Two years after Emil’s death, on July 10, 1901, Hermine gave birth to another girl, Gertrude, who was known as Trude. A photograph taken by the St. Pölten- based studio of Gustav Simon and dated around 1904 shows the parents with their two lovely daughters.
In 1917, Hermine Allina suffered another blow of fate: Her husband died on August 19. His death notice in the newspaper Neue Freie Presse honored him as a merchant, a home owner, and a board member of the Jewish community organization who had been a “much loved husband and a noble and good father and grandfather” to his family. His gravestone in the new Jewish cemetery in St. Pölten survives to this day.
His daughter Irma, who died in Vienna in 1972, also rests in this grave. She married Robert Leicht, the son of the long-term head of the Jewish community organization board Albert Leicht. Her father had been his deputy from 1910 to 1913. The couple had three children, Käthe, Lucie (Luzy), and Liesl. In 1939, Irma fled to New York with Robert, returning to Vienna in 1953 following his death. Käthe was murdered in the Lublin Ghetto, Lucie managed to flee to Palestine/ Eretz Israel, and Liesl escaped to the United States. Hermine’s youngest daughter Trude, whose married name was Weiss, lived in Graz and managed to flee in 1939 with her husband Othmar and their son Fritz (born in 1936). They escaped first to London and later also went to the United States. Trude returned intermittently to Austria with her second husband, Walter Hafner, and died in New York in 1987.
As a widow, Hermine Allina continued to be active in the Jewish community: In 1923, she established a so-called Children’s Aid Committee together with sever al other women and men from the St. Pölten Jewish community organization, which together with the Vienna Jewish community organization took in Jewish children in need from Germany and housed them with private families who could put meat back on their bones. In January and February 1924, 18 boys and girls from Breslau, Hamburg, and Leipzig arrived in St. Pölten.
As the heir to a house at Kremser Gasse 5 with a value estimated at 38,500 Reichsmark, Hermine was obliged to submit a property declaration on July 16, 1938. However, the house was under mortgage, more than a third of which had been loaned by Albert Leicht, her daughter’s father-in-law. There is no documentation indicating what internal family agreements lay behind this transaction. The declaration does not cite any other assets or valuables. On May 4, 1939, Hermine Allina was forced to hand over a few modest items – “1 cup, 1 caster, 1 small ladle, 3 spoons, 3 silver coins weighing 390 grams” – and other small items to the Dorotheum auction house at Spiegelgasse 4 in Vienna’s first district, for which she received the paltry sum of 12 Reichsmark. It is possible that, as a widow of many years, she genuinely had hardly any possessions of her own, although her in-laws belonged to the wealthy middle-class society of St. Pölten. One might have hoped that she would have had some securities, household items, jewelry, or other objects to give her daughters when they emigrated. Yet Phyllis Weiss, Trude’s granddaughter, confirmed that both sisters arrived in the United States with nothing and had to build up a new livelihood under the most difficult conditions. It may therefore be assumed that Hermine, alone and 73 years old, was robbed of all her possessions by the Nazis. While she had still been able to send her daughter Trude a little package with “Vanillekipferln” (vanilla croissants) and chocolate in May 1939, by February 1941 she was herself dependent on care packages: Trude sent her coffee, chocolate, and “size 9 ladies’ socks.” Hermine’s greatest worry was her housemaid “Salie,” who had been in her employ for decades, as she wrote to Trude on May 25, 1939: “If I had at least taken care of Salie already. She was with me for over forty years and now, aged 78, where should she go?”
On May 6, 1940, Hermine Allina was forced to move first to Böcklinstraße 92/11 in Vienna’s second district, where her in-laws Jakob and Stefanie Winterstein from St. Pölten already lived, before having to relocate again at an unknown point in time to Haidgasse 2/13, also in the second district. On December 2, 1941, Trude still wrote with the hope that her mother could emigrate to Cuba. This loving letter, which included “many, many kisses” from Hermine’s beloved grandson Fritz, was mailed the following day from New York. It came back half a year later, on July 26, 1942, stamped “return to sender,” presumably because the address Böcklinstraße 92 was no longer correct. It was not forwarded to the collective apartment on Haidgasse. Two weeks later, on August 13, 1942, Her mine Allina, then 75 years old and probably already sick, was deported to Theresienstadt. Sabina Allina, the wife of her in-law Jakob, was on the same transport. A Stone of Remembrance was set for Sabina at Kremsergasse 5 in 2021. Another sixteen individuals were sent to their deaths from Haidgasse 2. Of the 1,006 people deport ed on Transport IV/7, only 81 survived. Hermine died within just three weeks, on September 11, 1942, in the “Arsenal” in Theresienstadt.
- Links:


