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  • Maximilian
  • Gelb
  • alt. Vorname: Max
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  • Geburtsdatum: 09.12.1906
  • Geburtsort: St. Pölten
  • www.google.at
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  • Sterbeort: Opole
  • www.openstreetmap.org
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  • Beruf: Angestellter
  • Adresse/n:
  • Vater: Heinrich
  • Memorbuch
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  • Mutter: Cecilia
  • Salzer
  • neuer Friedhof
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  • NS-Schicksal: Lebte von 1912 bis 1933 in Berlin und zog dann nach Wien. Zwangsumsiedlung in die Rembrandtstraße 17, Wien 2. Am 20. Oktober 1939 nach Nisko deportiert, nach seiner Rückkehr nach Wien am 26. Februar 1941 nach Opole deportiert
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  • Steine der Erinnerung:
    • Stein der Erinnerung für Heinrich und Maximilian Gelb
    • Stein der Erinnerung für Heinrich und Maximilian Gelb
  • Heinrich Gelb und sein Sohn Maximilian

    „GELB Heinrich, Kaufmann, St. Pölten, Kremserlandstraße 51, zu sorgen für eine halbblinde Frau, mittelloser Sohn in Wien, Mann ist unheilbar krank, bezieht von der hg. I. K. G. [hiesigen Israelitischen Kultusgemeinde] monatlich RM. [Reichsmark] 13.33 Unterstützung, Zins [Miete] im Monat RM. 20.67, dringendste Notlage gegeben.“ Liste der Befürsorgten, Fürsorgereferat der IKG St. Pölten, vor dem 9. 11. 1938

    Heinrich Gelb, geboren am 1. Juli 1879 als Sohn von Wilhelm und Julie Gelb, geb. Lederer, kam wie seine Geschwister Adolf, Max und Amalie, genannt Mali, in St. Pölten zur Welt. Seine Schwestern Katharina Katy und Eugenie Jenny waren 1872 und 1877 noch in Lackenbach geboren worden. Die achtköpfige, aus dem jüdisch-traditionellen Milieu der „Siebengemeinden“ Westungarns bzw. des späteren Burgenlands stammende Familie migrierte also etwa 1878 nach St. Pölten. Heinrichs Beruf wird in den Dokumenten als Kaufmann oder Händler angegeben. Die gesamte Familie entkam der Armut nicht: Heinrichs Schwestern blieben unverheiratet, Amalie und Katharina erhielten als Opfer der Shoah 2019 einen Stein der Erinnerung in der Kerensstraße 14. Eugenie starb 1939 noch in St. Pölten, Max gelang die Flucht nach Shanghai und später in die USA. Wo Adolf überlebte, ist derzeit nicht bekannt, er starb 1959 in Wien.

    Am 4. Februar 1906 heiratete Heinrich in Wien Cecilia Cilli Salzer aus Bratislava und lebte mit ihr in St. Pölten in der Kremser Landstraße 51. Zehn Monate später, am 9. Dezember, kam Sohn Maximilian, genannt Max, auf die Welt, am 18. Juli 1908 Tochter Gisela. Wie Maximilian in seinem Auswanderungsfragebogen der IKG Wien angab, lebte er bereits 1912, also als Kleinkind, mit seiner Familie in Berlin. Nach Beendigung der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum technischen Kaufmann. 1933 kehrte er aus dem nunmehr nationalsozialistischen Deutschland nach Wien zurück und hatte vor, in die USA auszuwandern. Einen Pass besaß er zwar, allerdings, da schon einige Zeit arbeitslos, nicht das geringste Vermögen. Auf die Frage nach einem gültigen Einreisevisum gab er an: „heirate eine Amerikanerin“ – wieweit dies nur Wunschdenken war, ist nicht zu entscheiden. Auch die Berufsangabe für seinen bettelarmen Vater als „Kunsthändler“ ist wohl der dringend notwendigen Ausreise geschuldet. Jedenfalls gewährte ihm das Auswanderungsreferat am 28. Februar 1939 eine Unterstützung von 30 Reichsmark, doch gelang die Flucht – vermutlich mangels Visum – nicht.

    Am 20. Oktober 1939 gehörte Maximilian zu den 1.000 Juden, die zum Aufbau eines Konzentrationslagers aus Wien nach Nisko am San an der Grenze zum sowjetisch besetzten Polen deportiert wurden. Nach dem Scheitern dieses von Anfang an aussichtslosen Vorhabens legte er mit 35 anderen Schicksalsgenossen „500 Kilometer Märsche durch die unwegsamsten Gebiete Polens“ zurück und gelangte „krank, durch Hunger und Strapazen vollständig entkräftet“ schließlich in das 115 km entfernte Belzec bei Lublin – damals noch kein Vernichtungslager. Dies schrieb der frühere Angestellte der Wiener Kultusgemeinde Siegmund Flieger am 13. Dezember 1939 mit der dringenden Bitte um Unterstützung an den Vorstand. Auf seiner Liste der Männer, die „weder vor noch zurückkönnen“, steht auch Maximilian Gelb. Im April 1940 gelang endlich die Rückkehr nach Wien, doch war von hier keine Rettung möglich. Er musste in eine Sammelwohnung in Wien 2, Obere Augartenstraße 70/20 ziehen und wurde im selben Transport wie sein Vater am 26. Februar 1941 nach Opole deportiert.

    Am 18. Juli 1934 hatte sein Vater Heinrich in einem Ansuchen um Unterstützung an die IKG St. Pölten angegeben, dass er als „Deutschlandflüchtling“ 10 Monate zuvor nach St. Pölten zurückgekehrt sei. In den folgenden Jahren lebte er von der Unterstützung der jüdischen Gemeinde und seiner Schwestern. Selbst schwer erkrankt, musste er 1939 sowohl seine Schwester Jenny betrauern, die am 19. April 1939 gestorben war, als auch zwei Monate später seine Frau Cecilia. Beide sind auf dem jüdischen Friedhof St. Pölten begraben, ein Grabstein konnte jedoch aufgrund der Notsituation nicht errichtet werden. Heinrich musste nach Wien 2, Floßgasse 6/8 übersiedeln und wurde am 26. Februar 1941 nach Opole deportiert. Ein Jahr später begann die Liquidation des völlig überfüllten, der SS unterstehenden Ghettos. Am 31. März 1942 ging ein Transport in das Vernichtungs­lager Belzec, im Mai und Oktober folgten Deportationen nach So­bibor. Wo, wann und auf welche Weise Heinrich und sein Sohn Max ermordet wurden, wissen wir nicht. Die in Berlin mit Kurt Remak verheiratete Gisela, Heinrichs Tochter und Schwester von Max, überlebte Theresienstadt sowie Auschwitz und migrierte später nach New York, wo sie 1978 starb. Zu einem nicht bestimmbaren Zeitpunkt nach 1945 errichteten die überlebenden Familienmitglieder je eine Grabtafel für Eugenie Jenny und Cecilia Gelb. Auf Jennys Grabstein gedachten sie ihrer er­mor­de­ten Geschwister: „Dem Andenken unserer guten Geschwister Kathie, Heinrich und Mali Gelb, die aus der Deportation nicht mehr zurückkamen. Tief betrauert von den Brüdern und Verwandten“. Die zweite, im gleichen ein­ fachen Stil gestal­te­te Grabtafel gedenkt Cecilia und ihres Sohnes Max, „die in den schicksalsschweren Jahren ihr Leben lassen mussten“. Diese Tafel wurde erst im Zuge der Renovierung des jüdischen Friedhofs St. Pölten in den Jahren 2022 bis 2024 wiedergefunden und neu aufgestellt.

  • Heinrich Gelb and his son Maximilian

    “GELB Heinrich, merchant, St. Pölten, Kremserlandstraße 51, caring for a semi-blind wife, has a destitute son in Vienna, the man is incurably ill, receives month­ ly support payment of 13.33 Reichsmark from the local Jewish community organization, pays monthly rent of 20.67 Reichsmark, constitutes most urgent emergency.” List of welfare recipients, Welfare Department of the Jewish community organization in St. Pölten, before November 9, 1938

    Heinrich Gelb was born on July 1, 1879 to Wilhelm and Julie Gelb, née Lederer. Like his siblings Adolf, Max, and Amalie, known as Mali, he first saw the light of day in St. Pölten, while his sisters Katharina Katy and Eugenie Jenny had been born in 1872 and 1877, respectively, at the family’s former home in Lackenbach. The family of eight hailed from the traditional Jewish milieu of the “Seven Communities” of western Hungary, which later became Burgenland, and migrated to St. Pölten around 1878. The preserved documentation states that Heinrich was a merchant or trader. The entire family was subject to poverty: Heinrich’s sisters remained unmarried; as victims of the Shoah, Amalie and Katharina were commemorated with Stones of Remembrance at Kerensstraße 14 in 2019. Eugenie died in 1939 while still living in St. Pölten and Max managed to flee to Shanghai and later to the United States. It is currently not known where Adolf survived, but he died in Vienna in 1959.

    On February 4, 1906, Heinrich and Cecilia Cilli Salzer from Bratislava got married in Vienna. The couple lived together at Kremser Landstraße 51 in St. Pölten. Ten months later, on December 9, their son Maximilian, known as Max, was born, followed one and a half years later, on July 18, 1908, by their daughter Gisela. As Maximilian stated in the emigration questionnaire he submitted to the Jewish community organization in Vienna, he was already living in Berlin in 1912, mean­ ing as a small child with his family. After finishing school, he completed his train­ ing as a technical salesman. In 1933, he returned from what had become Nazi Germany to Vienna and planned to emigrate to the United States. Although he did have a passport, he had absolutely no assets, given that he had been unemployed for some time. He answered the question about whether he had a valid entry visa with the statement: “Marrying an American woman” – it cannot be determined whether this was reality or just wishful thinking. The fact that he claim­ ed his deeply impoverished father was an “art dealer” was presumably also due to his desperate need to emigrate. In any case, on February 28, 1939 the Emigration Department granted him a support payment of 30 Reichsmark to help with his travel costs, yet he did not manage to flee – presumably due to his lack of a visa.

    On October 20, 1939, Maximilian found himself among the 1,000 Jews deported from Vienna to Nisko on the River San on the border to soviet-occupied Poland to build a concentration camp there. Following the failure of this project, which was doomed from the start, he joined 35 others on a “500-kilometer march through the most impassable territories of Poland,” finally arriving “sick and totally exhausted from hunger and exertion” in Belzec, 115 kilometers from Lublin, which was not yet home to an extermination camp at that time. These words were written on December 13, 1939 to the board of the Vienna Jewish community organization by Siegmund Flieger, a former employee of that organi­ zation, accompanied by a desperate plea for support. His list of men “who can neither go forward nor back” included Maximilian Gelb. In April 1940, he finally managed to return to Vienna, but there was no salvation possible there, either. He was forced to move into a collective apartment at Obere Augarten­ straße 70/20 in Vienna’s second district and was deported to Opole on the same transport as his father on February 26, 1941.

    On July 18, 1934, his father Heinrich had submitted a request for support to the Jewish community organization in St. Pölten stating that he had returned to the city ten months previously as a “refugee from Germany.” Over the following years, he lived off the support of the Jewish community and his sisters. Himself a very sick man, he lost his sister Jenny on April 19, 1939, followed two months later by his wife Cecilia. Both are buried in the Jewish cemetery in St. Pölten, but no gravestone could be erected at the time due to the dire situation. Heinrich had to relocate to Floßgasse 6/8 in Vienna’s second district and was deport­ ed to Opole on February 26, 1941. Aside from his son, the transport included 43 other Jews from the catchment area of the St. Pölten Jewish community. One year later, the SS began the liquidation of the totally overfilled ghetto under their control. On March 31, 1942, a transport departed for the Belzec extermination camp, followed by deportations in May and October to Sobibor. It is not known where, when, or how Heinrich and his son Max were murdered.

    Gisela, Heinrich’s daughter and Max’s sister, who had married Kurt Remak in Berlin, survived both Theresienstadt and Auschwitz and later migrated to New York, where she died in 1978. At an undeterminable point after 1945, the surviving relatives erected a grave plaque each for Eugenie Jenny and Cecilia Gelb. On Jenny’s gravestone, they commemorated their murdered siblings as follows: “To the memory of our good siblings Kathie, Heinrich, and Mali Gelb, who did not return after being deported. They are deeply mourned by their brothers and relatives.” The second grave plaque, which was comparably simple in style, commemorates Cecilia and her son Max, “who had to forfeit their lives in those fateful years.” This plaque was only rediscovered during the renovation of the Jewish cemetery in St. Pölten between 2022 and 2024 and was re-erected.

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