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Franziska
Weiß
Gelb
15.01.1879
St. Pölten
Opole
Haushalt
Lederergasse 8, St. Pölten
16. Juni 1939 Zwangsumsiedelung nach Große Sperlgasse 6/5, Wien 2, später Grosse Mohrengasse 34/9, Wien 2; am 15. Februar 1941 nach Opole deportiert
Samuel
Betty
Löbl
Wilhelm
Hugo
Walter


Steine der Erinnerung

rosen
suessweiss


Wilhelm und Franziska (Fani) Weiss und ihre Söhne Hugo und Walter

„Wohin wollen Sie auswandern? – Nordamerika, Südamerika, Italien, Palästina – Welche Mittel stehen Ihnen für die Auswanderung zur Verfügung? – geringe Mittel – Haben Sie einen gültigen Paß? – nein – Welche der oben genannten Angehörigen (Frau und zwei Söhne) sollen jetzt und welche später auswandern? – alle zugleich“

So beantwortete Wilhelm Weiss am 19. Mai 1939 den Fragebogen der Fürsorgeabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien. Der Schuhmachermeister, geboren am 18. Februar 1876 in Güssing/Nemet Ujvar, war seit Juli 1907 mit Franziska (Fani) Gelb, geboren am 15. Jänner 1879 in St. Pölten, verheiratet. Die Familie musste keine Vermögensanmeldung ausfüllen, weil sie nur eine kleine monatliche Beihilfe von 15 Reichsmark von der Fürsorgestelle der IKG St. Pölten bezog. Die beiden Söhne, der Kaufmann Walter, geboren am 5. Juni 1908, und der Schuhmachergehilfe Hugo, geboren am 17. März 1913, gehörten zu den etwa 140 St. Pöltner Juden, die am 10. November 1938 verhaftet und im KZ Dachau inhaftiert worden waren.

Wilhelm und Franziska mussten zuerst innerhalb St. Pöltens in die Schulpromenade 41 und am 16. Juni 1939 nach Wien 2, Große Sperlgasse 6/5 und weiter in die Große Mohrengasse 34/9 zwangsumsiedeln. In denselben Sammelwohnungen waren auch ihre Söhne untergebracht. Zu ihnen gibt ebenfalls der Fragebogen der IKG Wien Aufschluss: „Weiss Hugo und Walter befinden sich seit dem 10. XI. 1938 in Dachau. Der Vater Wilhelm Weiss [...] erklärt, derzeit vollkommen mittellos zu sein. Jedoch besitze Walter Weiss ein Haus, das soll durch die Vermögensverkehrsstelle veräußert werden und in diesem Falle könne die Ausreise des Hugo und Walter Weiss aus dem Erlös bestritten werden.“

Aus der „Arisierung“ des Hauses mit Gemischtwarenhandel in Pyhra-Wald 32 erhielt Walter Weiss zwar den halben Kaufpreis ausbezahlt, doch rettete der Erlös die Familie nicht. Nach ihrer Entlassung aus Dachau im Juni 1939 meldeten sich Walter und Hugo für den ersten der beiden Transporte von Wien nach Nisko am San am 20. Oktober 1939, denn die IKG hatte unter Zwang der NS-Behörden dort eine sichere Existenzgründung in Aussicht gestellt. Von dort wurden sie wahrscheinlich wie Hunderte andere über die sowjetische Demarkationslinie getrieben und in Lager verschleppt. Ihre Eltern Wilhelm und Franziska wurden am 15. Februar 1941 in das Ghetto Opole bei Lublin deportiert.

Walter Weiss lebte zwar seit 1935 nicht mehr in der Lederergasse 8, doch soll der gemeinsame Stein auch an ihn erinnern.

Aus: Steine der Erinnerung in St. Pölten I/2018, S.53-57, Hg.: Institut für jüdische Geschichte Österreichs, zu bestellen unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! um 8 € zzgl. Porto
Bilder: Foto von Bernadette Dewald, Familienporträt aus dem Privatarchiv von Hans Morgenstern