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Joachim
Jochenen
Teichler
Riegelhaupt
02.04.1880
Klikuszowa (Galizien)
Kielce
Arbeiter
Obere Hauptstraße 18, Wilhelmsburg
Hofferplatz 2, Wien 16
am 27. Oktober 1939 nach Nisko deportiert, nach seiner Rückkehr Zwangsumsiedelung in die Herminengasse 12, Wien 2; am 19. Februar 1941 nach Kielce deportiert
Samuel
Sisel
Riegelhaupt
Johanna
Reich
Paul
Martha


Steine der Erinnerung

deutsch

Die Familie Teichler

Joachim Teichler, mit jiddischem Namen Jochenen, am 2. April 1880 in Klikuszowa (Galizien) geboren, stammte sicherlich aus einem religiösen Elternhaus. Dies lässt sich aus der behördlichen Anmerkung zu seinem Familiennamen schließen, dass er „recte“, also rechtmäßig, den Namen seiner Mutter, Riegelhaupt, trug. Das bedeutet aber keineswegs, dass er ein uneheliches Kind war. Wie viele orthodoxe Juden in Galizien hatten seine Eltern Samuel Teichler und Sisel Riegelhaupt die behördliche Eheschließung verweigert und nur vor dem Rabbinat geheiratet. Nach jüdischem Recht waren sie somit verheiratet, doch vor dem Staatsgesetz war Sisel eine ledige Mutter.

Joachim selbst heiratete am 31. August 1909 im Wiener Stadttempel in der Seitenstettengasse Johana Reich, geboren am 28. Februar 1881 in Köszeg (Ungarn), die Tochter von Ignacz und Karoline, geb. Rosenberg. Genau neun Monate nach der Hochzeit, am 30. Mai 1910, kam Sohn Paul zur Welt. Warum er im weit entfernten Czernowitz (damals Bukowina, heute Ukraine) gebo-en wurde, ist nicht zu klären, vielleicht war sein Vater dort beruflich tätig. Das zweite Kind, Martha, wurde am 15. Juni 1911 in Wien geboren. Da sie aber nur im Geburtsbuch aufscheint, ist anzunehmen, dass sie bereits als Kleinkind gestorben ist.

Zu welchem Zeitpunkt die Familie Teichler nach Wilhelmsburg zog, lässt sich derzeit nicht feststellen. Joachims Beruf wird mit Arbeiter angegeben,vielleicht fand er in der jüdischen Keramikfabrik Lichtenstern Beschäftigung. Jedenfalls mietete er mit Frau und Sohn eine Wohnung im Haus der kinderreichen Familie Deutsch. Einer der Söhne, Ignaz, war nur ein Jahr älter als Paul Teichler. Nun teilen die beiden auch einen Stein der Erinnerung. Laut Angabe des Fürsorgereferats der Israelitischen Kultusgemeinde vom Sommer 1938 war Joachim Teichler „durch Jahre arbeitslos“, hatte für Frau und Kind zu sorgen und wegen seiner Mietverpflichtung und seiner Mittellosigkeit war „dringende Notlage gegeben“. Eine Unterstützung durch die Kultusgemeinde ist allerdings nicht verzeichnet.

Wie alle jüdisch Verfolgten musste auch die Familie Teichler nach Wien übersiedeln. Joachim war in Wien 16, Hofferplatz 2 gemeldet – oder eher inhaftiert, denn in diesem Haus residierte die NSDAP-Ortsgruppe Hoffer- platz, eine von 32 Ortsgruppen des Kreises VIII, des 16. Bezirks. Er wurde zwei Mal deportiert. Das erste Mal gemeinsam mit seinem Sohn Paul am 27. Oktober 1939 nach Nisko am San an der polnisch-sowjetischen Grenze. Paul überlebte die harte Zwangsarbeit zum Aufbau eines Konzentrationslagers nicht. Nachdem das Bauprojekt offiziell eingestellt worden war, kehrte sein Vater nach Wien zurück und zog zu seiner Frau in eine Sammelwohnung in Wien 2, Herminengasse 12. Sie waren zwei der 29 Menschen, die aus diesem Haus in den Tod geschickt wurden. Beide wurden am 19. Februar 1941 in das Ghetto Kielce deportiert und gingen an den elenden Lebensumständen durch Hunger, Kälte, erbärmliche Unterbringung und nicht vorhandene medizinische Versorgung zugrunde. Ihr genauer Todestag ist nicht bekannt.

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