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Sidonie
Schwager
Werner
28.11.1883
Freiberg, Böhmen
Wlodawa
Brunngasse 1, St. Pölten
Kremsergasse 20, St. Pölten; Neugasse 11, St. Pölten
Zwangsumsiedlung in die Haidgasse 5, Wien 2; am 27. April 1942 nach Wlodawa deportiert
Wolf (Markus)
Josefine
Werner
Heinrich

 

Steine der Erinnerung

schwager

Heinrich Schwager und seine Frau Sidonie, geb. Werner

„Heinrich Israel Schwager, Gemischtwarenhandel mit Ausschluss des Verkau­fes der in §38 Abs. 4 und 5. der G.O. (Gewerbeordnung) angeführten Artikel in St. Pölten, Brunngasse 1.“ (Brief der „Einzelhandel und Landesbauernschaft“, 14. 2. 1940)

Aus den 72 arbeitsreichen Lebensjahren von Heinrich Schwager ist nach derzeitigem Wissensstand nur dieses eine Dokument erhalten, nämlich der Entzug des Gewerbescheins für seinen Gemischtwarenhandel in der Brunngasse 1 vom 1. Jänner 1939, vollzogen am 14. Februar 1940. Am 25. August 1871 als Sohn von Salomon und Ludmilla, geb. Weisskopf, in Linz geboren, heiratete er in zweiter Ehe Sidonie Werner, geboren am 28. November 1883 in Freiberg (heute Příbram, Tschechische Republik).

Über Schwagers Tätigkeit als Direktor der Zündwarenfabrik ORION, die ab 1921 in St. Pölten-Wagram in der Wiener Straße 102 in Betrieb war, ist nichts Näheres bekannt. Die Firma wurde bereits 1925 stillgelegt bzw. deren Anteile von der Firma SOLO Zündwaren und Chemische Fabriken AG aufgekauft. Den oben erwähnten Gemischtwarenhandel betrieb er vermutlich bereits als Pensionist. Mit seiner ersten Frau Julie, geb. Süss (1874 St. Pölten – 1917 Wien) hatte er sechs Kinder: Rosa Rachel, Ernst, Richard, Ludwig, Alfred und Erich. Rosa Rachel, verheiratete Erber, starb bereits 1926 in Tel Aviv, sie war also, wahrscheinlich als Zionistin, früh ausgewandert. Ernst entkam nach Cochabamba, Bolivien, Richard, Erich und Ludwig gelang die Flucht nach Palästina/Erez Israel, Alfred rettete sich in die USA.

Ihrem Vater und ihrer Stiefmutter gelang die Flucht nicht. Heinrich und Sidonie Schwager mussten nach Wien 2, Haidgasse 5 zwangsübersiedeln und wurden von dort am 27. April 1942 nach Wlodawa deportiert. In diesem Transportzug befanden sich 1000 jüdische oder von den Nazis als „Juden“ kategorisierte Männer, Frauen und Kinder. Die polnische Kleinstadt Wlodawa im Distrikt Lublin hatte einen jüdischen Bevölkerungsanteil von 70 Prozent, das Ghetto war durch die Deportationen überfüllt. Im Mai 1942 begannen die Transporte in das nur elf Kilometer entfernte Vernichtungslager Sobibor, am 24. Oktober 1942 wurde das Ghetto aufgelöst. Von den 1000 aus Österreich Deportierten überlebten nur drei. In den Gaskammern von Sobibor wurden bis zur Zerstörung nach dem Häftlingsaufstand im Oktober 1943 mindestens 180.000 Menschen ermordet.

 

Heinrich Schwager and his wife Sidonie, née Werner

“Heinrich Israel Schwager, general store in St. Pölten, Brunngasse 1, is disquali­ fied from selling the items listed in Paragraph 38, Articles 4 and 5 of the Trade Regulations Act.” (Letter of the NS­organisation “Einzelhandel und Landes­ bauernschaft“, 14. 2. 1940)<&p

Of the 72 work-intensive years of Heinrich Schwager’s life, only this document appears at present to have survived, which recorded the revocation of his trade license for his general store in Brunngasse 1 on 1 January 1939, executed on 14 February 1940.

Born in Linz on 25 August 1871 to Salomon and Ludmilla, née Weisskopf, his second marriage was to Sidonie Werner, born on 28 November 1883 in Freiberg (today Príbram, Czech Republic).

No details are known of Schwager’s activity as director of the match factory ORION, which began operating in Wiener Straße 102 in St. Pölten-Wagram in 1921. The company was already shut down in 1925, its shares being bought up by the company SOLO Zündwaren und Chemische Fabriken AG. Schwager presumably ran the above-mentioned general store as a pensioner. He had six children with his first wife, Julie, née Süss (1874 St. Pölten–1917 Vienna), namely Rosa Rachel, Ernst, Richard, Ludwig, Alfred, and Erich. Rosa Rachel (married name Erber) already died in 1926 in Tel Aviv. On account of her early emigration she was presumably a Zionist. Ernst escaped to Cochabamba in Bolivia, Richard, Erich, and Ludwig escaped to Palestine/Eretz Israel, while Alfred managed to flee to the USA.

Their father and stepmother did not manage to flee. Heinrich and Sidonie Schwager were forced to relocate to Haidgasse 5 in Vienna’s second district, from where they were deported to Wlodawa on 27 April 1942. There were altogether 1000 Jews or others categorized by the Nazis as “Jews” on this transport – men, women, and children. Jews made up 70 percent of the population in the Polish village of Wlodawa in Lublin District. The ghetto was overfilled due to the deportations. In May 1942, transports began to the Sobibor extermination camp, located just eleven kilometers away. The ghetto was liquidated on 24 October 1942. Of 1000 people deported here from Austria, only three survived. At least 180,000 people were murdered in the gas chambers of Sobibor before its liquidation following the prisoners’ uprising in October 1943.

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