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krnerjulius
Julius
Jona Leib
Körner
Kerner, Rotbard, Rothbard
24.11.1880
Bolechiv
26.05.1942
Maly Trostinec
Kaufmann
Herrengasse 1, St. Pölten
Am 1. März 1939 Zwangsumsiedlung in die Hammer-Purgstall-Gasse 3, Wien 2; am 20. Mai 1942 nach Maly Trostinec deportiert
Iser
Malke
Rotbard
Adelheid
Wulkan
Otto
Marie
Theodor
Eugenie
Julius und Adele Körner waren Kaufleute und in der Kultusgemeinde sehr aktiv. Julius war IKG-Funktionär und Präsident des Jüdischen Turnvereins. Beide waren Mitglieder im Bund jüdischer Frontsoldaten bzw. seiner Frauenorganisation.

Ihre Liegenschaft in der Herrengasse 1 wurde am 30. Jänner 1941 von der Sparkasse der Stadt St. Pölten und der Besitz in der Kremser Landstraße 57 von der Reichsfinanzverwaltung „arisiert“. Julius Körner war überzeugt, dass ihm „nichts passieren“ werde, da er vier Jahre im Ersten Weltkrieg gedient hatte und Veteran war.

Am 1. März 1939 meldete er sich nach Wien ab, Adele Körner folgte am 29. April 1940. Die beiden wurden am 20. Mai 1942 nach Maly Trostinec deportiert und bei ihrer Ankunft am 26. Mai 1942 ermordet.


Steine der Erinnerung

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Julius Jona Leib Körner und seine Frau Adelheid, geb. Wulkan

„Mein Vater war Frontkämpfer im Ersten Weltkrieg und war überzeugt, dass er nicht verfolgt werden wird. Leider hat er vollkommen unrecht gehabt.“ (Eugenie Jenny Gross, Fragebogen des Injoest, August 1996)

Julius Jona Leib Körner (auch: Kerner) wurde am 24. November in 1880 in Bolechiv (Galizien) geboren. Seine hebräischen und jiddischen Namen weisen auf eine religiöse Familie hin, wie auch sein zweiter Familienname Rotbard. Offensichtlich hatten nämlich seine Eltern Iser Kerner und Malke Rotbard nur vor dem Rabbinat und nicht vor den Behörden die Ehe geschlossen, daher hieß Julius offiziell nach der Mutter bzw. führte einen Doppelnamen. Seine Frau Adelheid (auch: Adele), am 5. September 1877 in St. Pölten geboren, war die Schwester von Ludwig Wulkan. Tragischer Weise starben ihr erster Sohn Theodor, geb. 1905, mit nur fünf Jahren und die beiden weiteren Kinder Otto, geb. 1906, und Marie, geb. 1907, als Säuglinge. Erst Eugenie, genannt Jenny, geb. 1909, erreichte das Erwachsenenalter und wurde 93 Jahre alt.

In der Herrengasse 1 vertrieb Julius Körner Kleider, Schuhe und Wäsche und auch Adelheid war als Geschäftsfrau tätig. Er engagierte sich viele Jahre lang als Präsident des jüdischen Turnvereins Makkabi, dem fast alle Kinder und Jugendlichen der IKG St. Pölten angehörten, und sowohl er, als ehemaliger Frontkämpfer mit einem Kriegsdienst von vier Jahren, als auch seine Frau waren Mitglieder des Bundes Jüdischer Frontsoldaten.

Wie das Ehepaar Wulkan musste auch Adelheid als Besitzerin eines Hausdrittels mit ihrem Mann die Wohnung in der Herrengasse 1 räumen. Sie zogen in das gemeinsame Haus Kremser Landstraße 57, in dem für einige Monate auch Josef Rosenstingl Unterschlupf fand. Ihm wurde 2019 ein Stein der Erinnerung gesetzt. Am 1. März 1939 meldete sich Julius Körner nach Wien ab, seine Frau folgte – aus welchem Grund, ist nicht bekannt – erst ein Jahr später, am 29. April 1940. Für diese Zeitspanne sind keine Meldedaten erhalten, am 19. Mai 1942 mussten sie jedenfalls in eine Sammelwohnung in Wien 2, Hammer-Purgstall- gasse 3/12, umziehen. Von diesem Haus wurden 70 Menschen in den Tod geschickt. Julius und Adelheid Körner wurden am 20. Mai 1942 nach Maly Trostinec deportiert und gleich nach der Ankunft am 26. Mai ermordet.

Jenny, seit 1937 verheiratet, konnte mit ihrem Mann Wilhelm (später William) Gross nach London entkommen und stellte im April 1948 für ihre Eltern einen Antrag auf Todeserklärung. In einem Interview mit Christoph Lind 1996 in London sagte sie: „Zu viele Erinnerungen, die mir zu weh tun, und Leute. Bin ich zurückgekommen nach dem Krieg, sind mir zwei, drei Personen nachgelaufen: Frau Jenny, Frau Jenny, das ist aber schön, dass Sie wieder da sind! Wir freuen uns so, wir haben ja so viel mitgemacht mit den Russen! [...] Und seit damals will ich nicht mehr nach St. Pölten. Meine Eltern sind zugrunde gegangen, und alle meine Verwandten sind zugrunde gegangen.“ Als sie auf Einladung des Injoest 1998 doch noch einmal nach St. Pölten kam, bemerkte sie: „Es sind ja nur 50 Jahre vergangen and (sic!) ich bin noch immer bitter.“

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