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bergerbertaadolf1
Adolf
Berger
27.05.1889
Wien, Ottakring
23.05.1944
Auschwitz
Wäscheerzeuger
Handel Mazetti-Straße 75, St. Pölten
14.11.1938 - 9.12.1938 in Dachau inhaftiert. Am 11. Juli 1939 Umzug nach Wien, Flucht nach Opatija und Italien. Ab dem 25.08.1940 in Farramonti inhaftiert. Am 4.10.1941 nach Arcidosso, am 17.04.1944 nach Fossoli und am 16.05.1944 nach Auschwitz überstellt
Philipp
Johanna
Mühlrad
Berta
Brosan
Alfred H.
Adolf Berger war Wäscheerzeuger und hatte im Ersten Weltkrieg als Offizier gedient. Gemeinsam mit seiner Frau Berta war er als führendes Mitglied im Bund jüdischer Frontsoldaten aktiv. Sohn Alfred war Mitglied im jüdischen Turnverein und im zionistischen Verein Betar.

In Folge des Novemberpogroms war Adolf Berger von 14. November bis 9. Dezember 1938 in Dachau interniert. Am 11. Juli 1939 verließ die Familie St. Pölten Richtung Süden und lebte im italienisch-jugoslawischen Grenzgebiet, wo schließlich alle Familienmitglieder verhaftet wurden.

Alfred Berger konnte aus dem Lager Ferramonti di Tarsi fliehen und schlug sich Richtung Westen durch. Am 15. Mai 1941 konnte er von Lissabon mit der S.S. Ciudad de Sevilla in die USA emigrieren.

Adolf und Berta Berger waren in mehreren Lagern in Italien interniert. Am 16. Mai 1944 wurden sie von Fossoli di Carpi nach Auschwitz deportiert und bei der Ankunft am 23. Mai 1944 ermordet.

 

Steine der Erinnerung

berger

Adolf und Berta Berger, geb. Brosan

„Endgefertigter bittet nochmals um eheste Erledigung meines Kaufvertrages [...]. Bitte daher inständig mir diesen Akt zu erledigen, da ich hier öfters auf­ gefordert werde auszureisen, aber ohne dieses Geld nicht kann, da ich es für 3 Schiffskarten brauche.“ (Alfred Berger an die Vermögensverkehrsstelle Wien, 29. 3. 1939)

Adolf Berger wurde am 27. Mai 1889 in Wien als Sohn von Philipp Berger und Johanna, geb. Mühlrad, geboren, seine Frau Berta Brosan am 27. Dezember 1885 in Groß Meseritsch (Mähren). Ihr einziges Kind Alfred kam am 13. August 1919 in Wien zur Welt. Während des Ersten Weltkriegs diente Adolf als Offizier, bevor er sich als Wäscheerzeuger in St. Pölten niederließ. Die Wohnung und der kleine Betrieb befanden sich in einem Einfamilienhaus mit Garten in der Handel Mazzetti-Straße 75. Das Ehepaar engagierte sich in der jüdischen Gemeinde sowie im Vorstand des Bundes Jüdischer Frontsoldaten und Alfred war begeistertes Mitglied im jüdischen Turnverein Makkabi und im zionistischen Verein Betar. Dass Adolf, Berta und Alfred ein liebevolles Familienleben führten, lässt sich aus allen noch erhaltenen Briefen herauslesen.

Während der Novemberpogrome wurde Adolf Berger verhaftet und war von 14. November bis 9. Dezember 1938 in Dachau interniert. Zu Jahresende 1938 wurde sein Geschäft aus dem Handelsregister gelöscht. Zwar hatte Adolf Berger der Gestapo einen Revers unterschreiben müssen, am 20. Dezember 1938 die „Ostmark“ zu verlassen, doch zog sich der Zwangsverkauf seines Hauses trotz zahlreicher Eingaben bis Mitte Mai 1939 hin, auch zum Ärger der „Ariseure“ Ernst und Barbara Thürauer. Diese gaben Shanghai als Fluchtziel der Bergers an, welche also vermutlich in keinem anderen Staat eine Einreiseerlaubnis erhalten hatten. Nur Sohn Alfred war bei der Aktion „Gildemeester“ in Wien für ein Visum in die USA vorgemerkt.

Am 11. Juli 1939 konnte die Familie endlich ausreisen und fand vorerst bei einem Verwandten in Opatija (damals italienisch Abbazia, heute Kroatien) Zuflucht. In Grossetto (Toskana), der nächsten Station ihrer Flucht, wurde die Familie verhaftet. Wie alle Männer wurden Adolf und Alfred am 25. Juli 1940 im Lager Ferramonti Cosenza inhaftiert, die Frauen wurden separiert im 160 km in nordöstlicher Richtung gelegenen Ferrandina untergebracht. Zuversichtlich schrieb Berta am 30. August 1940 an Mann und Sohn per Adresse „Campo di Conzentramento 8, Ferramonte“: „Ich hoffe, wir werden noch alle 3 glücklich in Amerika sein. Viele viele Küsse“. Ab 25. November lebte die Familie vereint im KZ Ferramonti und bemühte sich um die Ausreise in die USA.

Alfred Berger erhielt am 1. April 1941 ein Visum in die Vereinigten Staaten und konnte am 15. Mai 1941 von Lissabon mit dem Schiff S.S. Ciudad de Sevilla in die USA emigrieren. Aus den Briefen geht hervor, dass er bei Verwandten in Iowa unterkam und auch rasch Arbeit fand. Sofort bemühte er sich um die Rettung seiner Eltern, doch erhielt er am 12. November ein Schreiben von der Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society in New York, dass das amerikanische Konsulat in Rom nicht mehr bestünde: „... your parents cannot hope to obtain American visas at this time.“

Adolf und Berta Berger wurden fünf Monate nach Alfreds Rettung, am 4. Oktober 1941, wieder in den Norden, in das 660 km entfernte San Lorenzo, Arcidosso verlegt und am 17. April 1944 weitere 300 km nördlich in das Durchgangslager Fossoli überstellt, heute ein Stadtteil von Carpi in der Provinz Modena. Von dort wurden sie in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1944 nach Auschwitz deportiert und am 27. Mai ermordet.

Nach dem Krieg versuchte Alfred Berger verzweifelt, Klarheit über das Schick- sal seiner Eltern zu erhalten, und schickte zahlreiche Schreiben an die italie- nischen Behörden und das Rote Kreuz. Erst das Schreiben der Communità Israelitiche Italiane vom 26. September 1951 brachte Gewissheit: „Adolf and Berta Berger were sent (from Italy) to an extermination camp in Poland and were murdered in the gas­chambers at their arrival there.“