Geschichte der Synagoge im Überblick

Die St. Pöltner Juden hielten ihre Gottesdienste zunächst in einem als Bethaus adaptierten Raum der damaligen Gasser-Fabrik ab. Von 1885 bis 1913 diente ein Gebäude an der Schulpromenade, heute Dr. Karl Renner Promenade, westlich des jetzigen Standorts, als Synagoge. Ab 1888 war die Kultusgemeinde um einen Neubau bemüht, am 7. April 1907 konstituierte sich zu diesem Zweck ein Tempelbauverein.

Am 20. Juni 1912 wurde nach den Entwürfen der Architekten Theodor Schreier und Viktor Postelberg mit dem Bau begonnen und am 17. August 1913, dem Vorabend des Geburtstags von Kaiser Franz Josef, fand die feierliche Eröffnung statt. 

Nach dem Novemberpogrom 1938 diente die Synagoge als Möbellager. Die Nationalsozialisten planten, das Gebäude »auf Kosten des Judenkapitals« abzureißen, das Kantorhaus zu renovieren und an eine Gliederung der Partei abzutreten. Vermutlich deshalb zog im Mai 1940 die SA-Standarte 21 in das Kantorhaus ein. Im Jahr 1942 diente die Synagoge als Auffanglager für „russische Zivilpersonen“, die als Zwangsarbeiter eingesetzt waren. 1945 wurde das Gebäude zusätzlich durch Bombenangriffe beschädigt, sodass sich sein baulicher Zustand weiter verschlimmerte.

Nach Kriegsende war die Synagoge Möbellager, Getreidespeicher und Taubenschlag. Das Kuppeldach zeigte schwere Schäden und einzelne Bauteile drohten einzustürzen. Durch die demolierten Fenster drangen Regen und Schnee ein. Nach Abrissplänen Ende der 1970er Jahre stellte das Bundesdenkmalamt das Bauwerk unter Denkmalschutz.

Von 1980 bis 1984 wurde die Synagoge soweit wie möglich originalgetreu renoviert und dient nun als Gedenkstätte und Veranstaltungsraum. Im Kantorhaus befindet sich seit 1988 das Institut für jüdische Geschichte Österreichs. Diese Synagoge ist neben Baden/Wien die einzige in Niederösterreich.

Die Besichtigung ist wochentags zwischen 9:30 Uhr und 13 Uhr oder nach Rücksprache mit dem INJOEST möglich.