Neue Synagoge


Errichtung/Datum: 1913 Einweihung
Personen: Theodor Schreier und Viktor Postelberg (Architekten), Rabbiner Dr. Adolf Aron Schächter (Obmann des Tempelbauvereins)
Baugeschichte: 1907 Gründung des Tempelbauvereins, 1912 Baubeginn, Einweihung am 17. August 1913
NS-Zeit: 1938 geplündert und Innenraum zerstört, Nutzer/Besitzer in Folge: SA-Standarte 21 (bis 1941), Stadt St. Pölten (bis 1945), Rote Armee, 1947 Rückgabe an die Stadt St. Pölten
Rückstellung: 1954 an die IKG Wien als Rechtsnachfolger der IKG St. Pölten
Renovierung: 1980–1984; 1984 Neueröffnung, seit 1988 Sitz des Instituts für jüdische Geschichte Österreichs
Adresse: Schulpromenade, heute Dr. Karl Renner-Promenade 22



Geschichte der Synagoge im Überblick

Die St. Pöltner Juden hielten ihre Gottesdienste zunächst in einem als Bethaus adaptierten Raum der damaligen Gasser-Fabrik ab. Von 1885 bis 1913 diente ein Gebäude an der Schulpromenade, heute Dr. Karl Renner Promenade, westlich des jetzigen Standorts, als Synagoge. Ab 1888 war die Kultusgemeinde um einen Neubau bemüht, am 7. April 1907 konstituierte sich zu diesem Zweck ein Tempelbauverein.

Baugeschichte im Detail: Vom Plan zur Einweihung

Der Synagogenbau von St. Pölten zählte zu den bedeutendsten Sakralbauten seiner Zeit. Er wurde von Theodor Schreier gemeinsam mit seinem Kompagnon Viktor Postelberg geplant. Theodor Schreier wurde am 8. Dezember 1873 in Wien geboren und arbeitete von 1899 bis 1906 mit dem Wiener Architekten Ernst Lindner in einem Atelier. 1943 wurde Schreier nach Theresienstadt deportiert und starb dort nach dem 21. Mai.



Spendenliste Tempelbauverein

Spendenliste Tempelbauverein vom 21. Jänner 1908 

Ausgaben beim Bau der Synagoge

Aufschlüsselung der Kosten 

Finanzierung der Synagoge Geld- und Sachspenden

Aufschlüsselung der Spenden 

Das verschollene Bild des Kaisers

Im August 1913 verwarf die IKG den ursprünglichen Plan, im Eingangsbereich der Synagoge eine Kaiserbüste aufzustellen. Sie beauftragte stattdessen den Grazer Maler Emil Krausz, der seine Kindheit in St. Pölten verbracht hatte, für 50 Kronen ein Bildnis von Kaiser Franz Josef zu malen. Dieses Bild galt lange als „verschollen“. 



Der Novemberpogrom

„Mitten in einer deutschen Stadt – und das ist doch Sankt Pölten, oder nicht? – erhebt sich da ein morgenländisches Gebäude, krause Schriftzeichen »zieren« seine Vorderfront und ein Stern erhebt sich auf der Kuppel, den wir in unserem Himmel gerne entbehren. Wenn dieser Bau einmal ohne Sinn und Zweck dasteht, und das wird er bald (es ist klar, hier ist die Ostmark beispielgebend), dann wird er einem »repräsentativen« Gebäude Platz machen!? Ist es uns gelungen, das Geschäftsleben in unserer Stadt von Fremden zu säubern, so müssen auch die äußeren Erscheinungen folgen.“ Diese unverhohlene Aufforderung zur Zerstörung der St. Pöltner Synagoge schrieb der St. Pöltner Anzeiger bereits am 5. November 1938.



Während und nach dem Krieg

Nach dem Plan der NSDAP sollte die Synagoge »auf Kosten des Judenkapitals« abgerissen, das Kantorhaus renoviert und an die Partei abgetreten werden. Zu einem Abriss kam es jedoch nicht: in das Kantorhaus zog die SA-Standarte 21 ein und beantragte die Wohnung des nichtjüdischen Ehepaars Diete.

Die Renovierung

Ende der 1970er Jahre war absehbar, dass sich keine neue jüdische Gemeinde mehr gründen würde. Der IKG Wien, die nur Kosten, aber keinen Nutzen aus dem Gebäude hatte, stellte einen Abbruchantrag.



Das Institut für jüdische Geschichte Österreichs

Im Juni 1984 wurde die ehemalige Synagoge mit einer Ausstellung der Judaica-Sammlung von Max Berger wiedereröffnet. Seit Juni 1988 beherbergt das Kantorhaus das Institut für jüdische Geschichte Österreichs. Die Ehemalige Synagoge dient als Raum für kulturelle Veranstaltungen. Eine Ausstellung auf der Frauengalerie vermittelt die Geschichte der vernichteten jüdischen Gemeinde.