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herschgewing
Hermann
Hirsch, Hersch
Gewing
24.08.1877
Tarnopol
Jasenovac
Kaufmann
Domgasse 7, St. Pölten
Wienerstraße 7, St. Pölten
10. Mai 1939 Umsiedelung nach Hochedlingerstraße 26, Wien 2, Flucht nach Frankreich, weiter nach Italien, kurzfristig in Jugoslawien und später in Mailand verhaftet und nach Jasenovac (Kroatien) deportiert
Abraham Eli
Malke (Jüdes)
Grünberg
Karoline
Willner
Rudolf
Regina
Hermann Gewing führte gemeinsam mit Sohn Rudolf ein Geschäft für Geschirr und Hausrat in der Wienerstraße 35. Das Geschäft wurde am 31. Mai 1938 aufgelassen.

Die St. Pöltner Zeitung berichtete am 4. August 1938 im Artikel „Juden – immer wieder kriminell“ von der Verhaftung von Hermann und Rudolf Gewing wegen Betrugs an Gläubigern. Vater und Sohn wurden ins Kreisgericht St. Pölten überstellt, weil „sie den für ihr Warenlager erzielten Erlös für sich behielten und die Gläubiger nur zu einem geringen Teil befriedigten. Sie führten die Gläubiger dadurch in Irrtum, dass sie angaben, sich in großer Not zu befinden und kein Geld zu besitzen.“

Rudolf floh mit seiner Frau Grete am 21. November 1938 nach Bordeaux. Ungefähr zur selben Zeit floh Tochter Regina (verehelichte Weinberg) mit ihrem Mann Max (Markus) und dem gemeinsamen Kind Erwin nach Italien.

Hermann und seine Frau Karoline meldeten sich am 10. Mai 1939 in die Hochedlingerstraße 26, Wien 2, ab und folgten am 17. Juli 1939 ihrer Tochter Regina und deren Familie nach Italien. Nachdem die Situation immer bedrohlicher wurde, flohen sie gemeinsam nach Jugoslawien, doch kehrten sie bald wieder nach Italien zurück.
Hermann und Karoline Gewing wurden in Mailand verhaftet und in das kroatische KZ Jasenovac deportiert. Am 8. November 1962 erklärte das Wiener Landesgericht die beiden per 31. Dezember 1944 für tot.

Rudolf und seine Familie überlebten versteckt in Frankreich, emigrierten später in die USA und kehrten schließlich nach Frankreich zurück. Regina und Familie überlebten in Italien.


Steine der Erinnerung

gewingstein


Hermann Hersch Gewing und seine Frau Karoline Kreindl

„Das Ehepaar wurde mit Beschluß des Landesgerichts Wien für ZRS vom 8. November 1962 für tot erklärt. Als Todestag wurde der 31. Dezember 1944 angenommen. Die erhalten gebliebenen und im Archiv verwahrten Todeserklärungsakten geben keinen Aufschluß über das weitere Schicksal bzw. die Umstände des Todes von Hermann und Kreindel (Karoline) Gewing.“ (Meldearchiv, MA 8 der Stadt Wien an Martha Keil, 27. November 1995)

Hermann Gewing, mit jiddischem Vornamen Hersch, am 24. August 1877 als Sohn von Abraham Eli und Malke, geb. Grünberg, in Tarnopol geboren, und seine Frau Karoline Kreindl, geboren am 17. Jänner 1874 in Brzezany, Tochter von Salomon Willner und Riwka, geb. Streisand, gehörten zu den wenigen, die bereits um 1905 aus Galizien nach St. Pölten einwanderten. Das erste Kind, Regina, nach der mütterlichen Großmutter mit dem hebräischen Namen Riwka benannt, wurde 1902 noch in Brzezany geboren. Als während des Ersten Welt­ kriegs mehr als 30.000 galizische Jüdinnen und Juden in das heutige Öster­reich flohen, nahmen die Gewings zwei verwandte Familien bei sich auf.

Hermann Hersch Gewing führte gemeinsam mit seinem Sohn Rudolf, 1910 in St. Pölten geboren, in der Wienerstraße 35 ein Geschäft für Geschirr und Hausrat. Am 20. Mai 1938 wurde das Geschäftslokal mit Warenlager zwangsverkauft und am 31. Mai aufgelassen. Beide Männer wurden am 4. August 1938 wegen angeblichen Betruges verhaftet, aber, wie es scheint, nicht verurteilt.

Das Ehepaar Gewing meldete sich am 10. Mai 1939 nach Wien 2, Hochedlinger­ straße 26, ab und folgte am 17. Juli 1939 ihrer Tochter Regina und deren Familie nach Italien. Nachdem die Situation immer bedrohlicher wurde, flohen alle ge­ meinsam nach Jugoslawien, kehrten jedoch bald nach Italien zurück. Hermann und Karoline Gewing wurden in Mailand verhaftet und in das kroatische KZ Jasenovac, 95 km südöstlich von Zagreb, deportiert. Das „Sammellager III“ war von 1941–45 das größte Konzentrations­ und Vernichtungslager des faschis­ tischen Unabhängigen Staates Kroatien (NDH) und das einzige Lager, in dem ohne deutsche Besatzungsmacht die Ustascha planmäßig und außerordentlich grausam jüdische, serbische und bosnische Gefangene sowie Roma und politi­ sche Gegner ermordete. Die Forschungen ergaben etwa 80.000–90.000 Opfer, Mordwaffen waren vor allem Messer und Äxte. Auf Antrag ihres Sohnes Rudolf wurden Hermann und Karoline Gewing am 8. November 1962 vom Wiener Lan­ desgericht für tot erklärt.

Rudolf floh mit seiner Frau Grete, geb. Fleischmann, am 21. November 1938 nach Bordeaux. Sie überlebten versteckt in Frankreich, emigrierten später in die USA, kehrten jedoch nach Frankreich zurück. Im September 1938 floh Rudolfs Schwester Regina, verehelichte Weinberg, mit ihrem 12­jährigen Sohn Erwin zu ihrem Mann Max Markus nach Paris. Auf der weiteren Flucht wurden sie verhaftet und im Konzentrationslager Ferramonti di Tarsia bei Cosenza inhaftiert, in dem auch Alfred und Berta Berger aus St. Pölten gefangen waren. Anders als diese überlebte die Familie Weinberg mit großem Glück das faschistische Italien.