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Lucy Herta
Lang
14.09.1938
Wien
Auschwitz
Kind
am 1. Oktober 1942 aus der Berggasse 8/8, Wien 9 nach Theresienstadt deportiert, am 12. Oktober 1944 nach Auschwitz überstellt
Josef
Elisabeth
Hirschler


Steine der Erinnerung

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Elisabeth Lang, geb. Hirschler, und ihre Tochter Lucy Herta

„540. LANG Elisabeth S. [Sara], 1. 2. 1912, Haushalt; 541. LANG Lucy S. [Sara], 14. 9. 1938, Kind“. Dies sind die Einträge auf der Transportliste vom 1. Oktober 1942 nach Theresienstadt. Fotos oder andere persönliche Zeugnisse sind von der Familie Lang, soweit derzeit bekannt, nicht erhalten.

Elisabeth Lang, am 1. Februar 1912 als Tochter des Pragers Wilhelm Hirschler und der Wienerin Rosalia Fuchs in Wien geboren, lebte nach ihrer Heirat mit Josef Lang in St. Pölten in der Johann Gasser­-Straße 8. Nähere Informationen zu Beruf und Leben sind nicht bekannt. Auffällig ist, dass Elisabeth und Josef zu unterschiedlichen Zeitpunkten den von den NS­-Behörden verordneten Zusatz­namen „Sara“ bzw. „Israel“ erhalten haben: Elisabeth bereits am 5. Dezember 1939 und ein zweites Mal gleichzeitig mit Josef am 13. November 1941. Dies deutet darauf hin, dass die beiden an unterschiedlichen Adressen gelebt haben – ob freiwillig oder erzwungen, lässt sich nicht entscheiden. Jedenfalls wurden beide – Elisabeth war schwanger – am 3. Mai 1938 von St. Pölten abgemeldet und übersiedelten nach Wien. Josefs Wohnort ist nicht bekannt, Elisabeth wurde der Sammelwohnung in Wien 9, Berggasse 8/8 zugeteilt, in der auch ihre Eltern Wilhelm (geb. 1884) und Rosalie (geb. 1885) sowie zwei weitere Personen unter­ gekommen waren. Tochter Lucy Herta kam am 14. September 1938 zur Welt. 

Vom Haus Berggasse 8 wurden insgesamt 86 Jüdinnen und Juden in den Tod geschickt. Elisabeth Lang wurde gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer vierjäh­rigen Tochter am 1. Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert und mit Mut­ter und Tochter am 12. Oktober 1944 nach Auschwitz überstellt und ermordet. Wilhelm Hirschler war fünf Monate zuvor, am 2. Mai 1944, den harten Lebens­bedingungen in Theresienstadt erlegen. Zwischen 28. 9. und 28. 10. 1944 wur­den in elf Transporten 18.402 Personen von Theresienstadt nach Auschwitz­ Birkenau deportiert, nur 1574 überlebten. Der genaue Todestag von Elisabeth und Lucy Lang sowie von Rosalia Hirschler ist nicht bekannt.

 

Josef Lang, seine Eltern und seine Schwester

Josef Lang, der Ehemann von Elisabeth, wurde am 17. April 1907 in St. Pölten geboren und lebte zumindest zeitweise mit seiner Familie in der Johann Gas­ser-­Straße 8. Wie erwähnt, ist über seinen Beruf und die Wiener Adresse nichts bekannt, auch nicht, auf welche Weise ihm die Flucht gelang. Er starb 1988 in London. Auch sein Bruder Hans, 1903 geboren und in St. Pölten in der Wiener Straße 26 wohnhaft, überlebte und starb 1974 in Wien. Doch die Eltern Michael und Sabina Lang und die Schwester Margarete Wolf wurden Opfer der Shoa. Michael Lang, 1870 in Szegedin geboren, von Beruf Kaufmann, stand 1920 unter der Adresse Wiener Straße auf der Mitgliederliste der Israelitischen Kultusge­meinde (IKG) St. Pölten. Am 16. Dezember 1940 starb er im Krankenhaus der IKG Wien in Wien 2, Odeongasse 9. Seine Frau Sabina, geb. Mandl, 1865 in St. Pölten geboren, wurde am 13. August 1942 vom Altersheim der IKG Wien in Wien 9, Seegasse 9, nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 23. November 1942.

Margarete, geboren 1905 und mit Max Wolf verheiratet, lebte in Wilhelms­burg in der Kirchengasse 1. Ihr mutiger Kampf gegen das NS­-Regime soll hier gewürdigt werden: Nach der Zwangsumsiedlung nach Wien 2, Ferdinandstraße 29 gelang ihr die Flucht nach Zagreb, wo sie sich den Partisanen anschloss. Am 16. 11. 1941, nach der Verhaftung durch den Sicherheitsdienst, wurde sie in das KZ Ravensbrück de­portiert und am 2. 12. 1944 zur Zwangsarbeit in die HASAG Leipzig verschleppt. Die „Hugo und Alfred Schneider AG“, ursprünglich ein Metallwarenbetrieb, ent­ wickelte sich ab 1933 zu einem Rüstungskonzern, der während des Zweiten Weltkriegs Zehntausende Häftlinge, mehrheitlich Frauen, aus Konzentrations­lagern als Zwangsarbeiter/innen anforderte. Diese lebten in einem eigenen Lager und waren zur „Vernichtung durch Arbeit“ bestimmt. Entsprechend mini­mal war die Überlebensrate, insbesondere an den HASAG­Standorten in Polen.

Am 2. Februar 1945 wurde Margarete Wolf, wie so viele andere durch die Bedin­gungen arbeitsunfähig geworden, nach Bergen­-Belsen überstellt und ermordet.