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schmatnikernestineyv
Ernestine
Ester
Schmatnik
Rosenstingl
13.09.1893
St. Pölten
Opole
Haushalt
Linzerstraße 40, St. Pölten
23. März 1939 Umsiedelung in die Nussdorferstraße 4, Wien 9; am 26. Februar 1941 nach Opole deportiert
Moritz
Cäcilie
Löwinger
Mortko
Leopold
Elfriede

 

Steine der Erinnerung

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Mortko Aron Schmatnik und seine Frau Ernestine Esther, geb. Rosenstingl

„Endesgefertigte bittet den bei Ihnen seit 16. XII. 38 liegenden Kaufvertrag zwi­ schen Schmatnik – Wagner in Erledigung zu bringen, da wir ausreisen müssen und Geld für die Schiffskarten benötigen. Da die Geheime Staatspolizei uns zur Ausreise drängt und wir Gelegenheit haben bald wegzufahren, deshalb diese höfliche Bitte um Erledigung.“ (Ernestine Schmatnik an die Vermögensverkehrs­ stelle Wien, 15. 2. 1939)

Mortko Aron – in einigen Dokumenten auch Max Mordechai – Schmatnik, Sohn von Joel und Schlima, geb. Apfel, wurde am 7. Juni 1890 in Sadagora (Bukowina) geboren. Wann er nach St. Pölten kam, ist nicht bekannt, doch wie aus dem Foto des jungen Paares ersichtlich ist, war er als Soldat im Ersten Weltkrieg bereits mit Ernestine Esther, geboren am 13. September 1893 als Tochter des St. Pöltner Kaufmanns Moritz Rosenstingl und dessen Frau Cäcilia, geb. Löwinger, verheiratet. Ihre Kinder Elfriede und Leopold kamen 1915 und 1919 zur Welt, beide waren in der zionistischen Jugendgruppe Betar aktiv. Ab 1. Mai 1926 führte Mortko das Geschäft seines Schwiegervaters.

Aus der Tatsache, dass Mortko Schmatnik nach dem „Anschluss“ keine eigene Vermögenserklärung abgeben musste, lässt sich seine finanzielle Notlage schließen. In ihrer Erklärung vom 14. Juli 1938 gab Ernestine an, dass ihr Mann seit 1. Mai 1938 arbeitslos sei und eine Unterstützung von wöchentlich 9,90 Reichsmark beziehe. Der Sparkasse St. Pölten schuldete das Ehepaar 500 Reichsmark. Ernestine besaß zwei Bauparzellen in St. Pölten im Wert von insgesamt 5.000 Reichsmark. Der Kaufvertrag ist nicht erhalten und daher auch der Kaufpreis nicht bekannt, doch wurden am 21. August 1939 die neuen Eigentümer in das Grundbuch geschrieben. Laut Vergleichsausfertigung vom 7. Juli 1950 erhielt die Vertretung der Antragsteller 1.500 Schilling und verzichtete auf die Rückstellung der Grundstücke. Seltsamerweise ist als Antragstellerin „Ernestine Schmatnik, geb. Rosenstingl“ genannt, ihre Ermordung war also noch nicht bekannt oder wurde aus verfahrenstechnischen Gründen nicht erwähnt. Als Adresse ist Wien 9, Nußdorfer Straße 4 angegeben. Dorthin mussten Mortko und Ernestine Schmatnik am 23. März 1939 zwangsübersiedeln. Sie wurden mit einem der ersten Transporte am 26. Februar 1941 in die Kleinstadt Opole in Polen deportiert, gemeinsam mit einigen weiteren Jüdinnen und Juden aus St. Pölten. Wann das Ehepaar den unerträglichen Lebensbedingungen erlag, ist nicht bekannt. Auch Ernestines Bruder Alois, Zahnarzt in Wien, und ihre Mutter Cäcilia Rosenstingl wurden ein Opfer der Shoa. Für Cäcilia und auch für ihren Mann Moritz wird ebenfalls dieses Jahr ein Stein der Erinnerung gesetzt.

Leopold Schmatnik konnte bereits im Juni 1938 nach Palästina/Erez Israel ent- kommen, Elfriede folgte im November. Dort hebraisierte sie ihren Namen in Shulamit und ihr Bruder den seinen in Yehuda Shamir.

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