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frankkarl
Karl
Frank
20.01.1858
Wessely (Mähren)
11.09.1942
Theresienstadt
Mühlenbesitzer
Johannesplatz 8, Viehofen
Gabelsbergerstraße 3, St. Pölten (26.11.1938 - 22.09.1939)
Ober-Wagram
Am 25. September 1939 nach Türkenstraße 31/6, Wien 9 abgemeldet, später Rembrandtstraße 17/15, Wien 2 übersiedelt; am 20. August 1942 nach Theresienstadt deportiert
Moses
Therese
Rosenzweig
Mathilde
Duschak
Margarethe
Franz
Hans
Irma
Otto
Friederike

 

Steine der Erinnerung

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Karl Frank und seine Tochter Margarete

„Die Liegenschaft Johannesplatz 8–10 gehörte zur Hälfte seinem Vater Karl Frank und zur Hälfte meinem Klienten Hans Frank. Herr Karl Frank wurde als 86­jähriger Greis nach Polen deportiert. Es fehlen seit dem Jahre 1940 alle Nachrichten und dürfte derselbe selbstverständlich nicht mehr unter den Lebenden weilen.“ (Rechtsanwalt Dr. Paul Mahler an die Gemeinde Viehofen bei St. Pölten, Wien, 12.3.1947)

Karl Frank, geboren am 20. Jänner 1858 in Wessely (Veselí nad Moravou) als Sohn von Moses und Theresie, geb. Rosenzweig, stammte aus einer sehr reli- giösen mährisch-jüdischen Familie. Mit seiner Frau Mathilde, geb. Duschak (1866 Gaia/Kyjov–1926 Wien), hatte er sechs Kinder: Irma, verheiratet mit Isidor Reiss, Hans, Margarete, geboren am 6. Juli 1898 in Viehofen und von Beruf Pflegerin, Franz, Otto und Friederike „Fritzi“, die 1910 mit 21 Jahren „tief betrauert von ihren Eltern und Geschwistern“ starb. Karl Frank besaß am Johannesplatz 8–10 in Viehofen eine Rollgerstenmühle und war Vorstandsmitglied der Kultusgemeinde St. Pölten. Nach der Erinnerung seines Enkels Abraham Harry Reiss lebte er „streng koscher“, hatte im Ersten Weltkrieg gekämpft und war sehr kaisertreu. Harry und dessen Schwester Ditta war er ein liebevoller Großvater.

Laut Vermögenserklärung vom 7. Juli 1938 war Karl Frank ein vermögender Geschäftsmann, bis noch im selben Monat seine Bankeinlagen wie auch die Mühle „arisiert“ wurden. Nach der Delogierung fand er mit seiner Tochter Margarete ab 1. Dezember 1938 Unterschlupf bei Samuel und Mathilde Hacker in der Ga- belsberger Straße 3 und mietete von ihnen für 20 Reichsmark monatlich eine Zimmer-Küche-Wohnung. Am 25. September 1939 meldeten sich Vater und Tochter nach Wien 9, Türkenstraße 31/6 ab, im April 1942 mussten sie in eine weitere Sammelwohnung in Wien 2, Rembrandtstraße 17/15 übersiedeln. Von dort wurden beide am 20. August 1942 mit einem sog. „Alterstransport“ – das Durchschnittsalter der 1000 Menschen betrug 69 Jahre – nach Theresienstadt deportiert, wo sie auf dem Dachboden des Gebäudes H-V hausen mussten. Bereits drei Wochen später, am 11. September 1942, starb Karl Frank an einer Lungenentzündung.

Margarete hatte ihrem Vater auf allen Wegen zur Seite gestanden und musste in Theresienstadt seinen Tod beklagen. Sie selbst wurde mit einem der letzten Transporte am 19. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr Todestag ist nicht bekannt. Ihrer Schwester Irma und ihrem Schwager Isidor Reiss wird in der Linzer Straße 13 ein Stein der Erinnerung gesetzt. Am 12. Oktober 1950 erschien im „Amtsblatt zur Wiener Zeitung Nr. 246“ folgender Aufruf an eventuelle Erben, darunter auch Irma, sich innerhalb eines Jahres beim Bezirksgericht Wien-Innere Stadt wegen der Verlassenschaft zu melden: „Karl Frank in Wien II, Rembrandtstraße 17 wohnhaft gewesen, ist am 8. Mai 1945 gestorben. Eine letztwillige Anordnung wurde nicht vorgefunden.“

 

Bilder: Karl Frank mit seinem Enkel Harry, ca. 1932 Margarete Frank, Foto von Kennkarte, ca. 1939 © Injoest

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