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Lilly Mathilde
Herlinger
23.08.1929
St. Pölten
Auschwitz
Kind
Lederergasse 10, St. Pölten
17. September 1938 Wien, flieht nach Belgien, Luxemburg und wird in Frankreich verhaftet; in Gurs und Noe inhaftiert, bevor sie am 31. Juli 1942 von Mechelen nach Auschwitz deportiert wurde
Ludwig
Berta
Weiß

 

Steine der Erinnerung

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Maximilian Herlinger, sein Sohn Ludwig mit Berta, geb. Weiss, und Tochter Lilly Mathilde

„Ich bin von Beruf Privatbeamter, mein Vater ist Kriegsinvalide, bin völlig mittellos und seit März 1938 arbeitslos und beziehe RM (Reichsmark) 14,40 pro Woche Arbeitslosenunterstützung. Auch meine Frau besitzt keinerlei Vermögen.“ (Verzeichnis über das Vermögen von Juden von Ludwig Herlinger, 1. 7. 1938)

Ludwig Herlingers Vermögensanmeldung gibt kein Vermögen an, und auch die seines Vaters Maximilian enthält nur den Satz: „Ich bin Kriegsinvalide, fast gänzlich taub, völlig mittellos. Im Jahre 1937 habe ich insgesamt durch die Vermittlung S 200.– verdient.“ Beide Eingaben wurden von den NS-Behörden mit dem Stempel „Nicht anmeldepflichtig“ versehen.

Maximilian Herlinger wurde am 15. Jänner 1864 in Tucap/Tabor (Böhmen) als Sohn von Josef und Anna, geb. Metzl, geboren. Er war Händler und scheint es nie zu Wohlstand gebracht zu haben. Als er 1901 im alten St. Pöltner Bethaus Ernestine, geb. Schling, heiratete, wohnte er noch in Krems. Bereits zu diesem Zeitpunkt gehörte er der k.u.k. Landwehr an; durch welches Kriegsereignis er seine Taubheit erlitt, ist nicht zu klären.

Am 12. März 1904 wurde Sohn Ludwig, benannt nach dem Großvater mütterlicherseits, geboren und die kleine Familie lebte im selben Haus wie Ernestines unverheiratete Schwester Mathilde Schling in der Lederergasse 10. Mathilde verstarb am 17. März 1928 und drei Jahre später, am 1. März 1931, starb mit 71 Jahren auch Ernestine und wurde im Grab ihrer Schwester auf dem jüdischen Friedhof in St. Pölten beerdigt. Die Inschrift folgt dem traditionellen jüdischen Totensegen: „Ihre Seelen mögen eingehen im Bund des Lebens mit den Seelen aller Frommen und Edlen“.

Im Oktober 1928 heiratete Ludwig in St. Pölten Berta Weiss, geboren am 28. Jänner 1904 in Zabokreky (Slowakei). Ihre am 23. August 1929 geborene Tochter Lilly erhielt im zweiten Namen den ihrer Tante Mathilde; diese Nachbenennung ist ebenfalls ein Hinweis auf die jüdische Verwurzelung der Familie.

Die ohnehin bescheidene wirtschaftliche Lage verschlechterte sich nach dem „Anschluss“ dramatisch. Als Beamter wurde Ludwig Herlinger arbeitslos und auch seine kleine Arbeitslosenunterstützung wurde, wie für alle Juden, im August 1938 gestrichen. Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) St. Pölten unterstützte zwar seinen Vater, doch konnte damit gerade die Miete bezahlt werden. Das hohe Alter und die Gebrechlichkeit seines Vaters hinderten Ludwig, die Auswanderung der Familie zu organisieren. Er ersuchte daher die IKG, Maximilian im Altersheim der Kultusgemeinde Wien in Wien 9, Seegasse 9, unterzubringen, und meldete sich mit Frau und Tochter am 17. September 1938 nach Wien ab. Zumindest Ludwig befand sich bereits wenige Wochen später in Brüssel, denn er ersuchte von dort aus die IKG St. Pölten, ihm ein Leumundszeugnis auszustellen. Diese lehnte ab, denn er hatte sichtlich vor seiner Flucht mit dem Briefpapier der IKG für sich selbst ein Empfehlungsschreiben verfasst. Wann sich die Wege der Familie trennten, ist nicht zu rekonstruieren. Ludwig war jedenfalls im Lager Gurs (Frankreich, nördlich der Pyrenäen) und in Noé (südlich von Toulouse) inhaftiert, bevor er am 28. August 1942 aus dem Sammel- und Durchgangslager Drancy (bei Paris) nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Auch seine Frau Berta und seine Tochter Lilly Mathilde wurden in Auschwitz ermordet. Allerdings wurden sie erst am 31. Juli 1943 aus dem Lager Mechelen (Provinz Antwerpen, Belgien) in das Vernichtungslager deportiert.

Der 70jährige gehörlose Maximilian Herlinger musste am 31. März 1939 in das improvisierte Altersheim in Wien 2, Große Schiffgasse 3 zwangsübersiedeln. Am 14. Juli 1942 wurde er nach Theresienstadt deportiert und zwei Monate später, am 21. September, nach Treblinka überstellt. Falls er den Transport überlebt haben sollte, wurde er vermutlich unmittelbar nach der Ankunft in die Gaskammer geschickt oder erschossen. In diesem größten der NS-Vernichtungslager wurden zwischen Juli 1942 und Oktober 1943 mindestens 870.000 Menschen ermordet.

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