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Stefanie
Winterstein
Vogel
17.09.1880
Valachisch Meseritsch
Lodz
Haushalt
Hauptstraße 140, Wilhelmsburg
Schubertstraße 34, Franziskanergasse 3; beide St. Pölten
16. August 1939 Zwangsübersiedlung nach Böcklinstrasse 92/11, Wien 2; am 28. Oktober 1941 nach Zimmerstraße 3/4, Lodz deportiert
Leopold
Henriette
Stern
Leon (Leiser)
Jakob
Stella
Valerie


Steine der Erinnerung

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Jakob und Stefanie Winterstein

„Vor Unterfertigung dieser Urkunde wurden die Parteien [...] befragt, ob an dem Rechtsgeschäfte ein Jude als Vertragsschliessender beteiligt ist, worauf die Parteien erklärten, dass Jakob und Stefanie Winterstein Juden seien.“

Dieser Paragraph besiegelte den Vertrag vom 13. Februar 1939 über den erzwungenen Verkauf des Zweifamilienhauses in der Schubertstraße 34, das dem Ehepaar Jakob und Stefanie Winterstein, geb. Vogel, zu gleichen Teilen gehört hatte. In ihrer Vermögensanmeldung vom 28. Juni 1938 hatte Stefanie als Beruf noch „Haus-Mitbesitzerin“ angegeben. Stefanie, am 17. 9. 1880 in Wallachisch Meseritsch, heute Tschechische Republik, geboren, hatte aus ihrer ersten Ehe mit Leiser Bacher in Wilhelmsburg zwei Töchter; Stella, geboren 1905, heiratete den Rechtsanwalt Egon Morgenstern, und Valerie, geboren 1906, ehelichte den Schuhhändler Max Kohn. Nachdem sich beide Töchter in St. Pölten niedergelassen hatten, verlegte auch das Ehepaar Winterstein seinen Wohnsitz dorthin. Stella und Valerie flohen mit ihren Familien im März 1939 nach Erez Israel/Palästina und kehrten 1947 bzw. 1948 nach St. Pölten zurück.

Stefanies zweiter Ehemann Jakob Winterstein, geboren am 17. Februar 1871 in Budapest, führte in St. Pölten ein „Herren-Konfektionsgeschäft“ – Bekleidung und Accessoires – in der Franziskanergasse 3. An dieser Adresse wird auch der Stein der Erinnerung gesetzt. Am 16. August 1939 musste das Ehepaar nach Wien 2, Böcklinstrasse 92/11 übersiedeln, am 28. Oktober 1941 wurde es in das Ghetto Lodz deportiert, das im April 1940 in den verwahrlosesten Bezirken der Stadt eingerichtet worden war. In diesem Transport von tausend Menschen befanden sich auch andere St. Pöltner Jüdinnen und Juden. Mit der Anlage des „Judenghettos“ war die Stadt Lodz nach dem deutschen General Karl Litzmann (1850–1936) in „Litzmannstadt“ umbenannt worden. Für die Verwaltung der völlig ungenügenden Versorgung, Einteilung zur Zwangsarbeit, Organisation des Ordnungsdienstes und vor allem für die Erstellung der Deportationslisten in die Vernichtungslager richteten die NS-Machthaber einen „Ältestenrat“ ein. Zwischen April 1940 und August 1944 starben unter den katastrophalen Lebensbedingungen mehr als 43.000 Menschen an Hunger, Kälte, Typhus und Tuberkulose. Weitere 143.000–145.000 Menschen wurden ab Jänner 1942 in Kulmhof/ Chelmno in Gaswägen und ab 1944 in Auschwitz ermordet. Die Todesdaten von Jakob und Stefanie Winterstein sind nicht bekannt.

Aus: Steine der Erinnerung in St. Pölten I/2018, S.13-19, Hg.: Institut für jüdische Geschichte Österreichs, zu bestellen unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! um 8 € zzgl. Porto
Bilder: Foto von Bernadette Dewald, Familienporträt aus dem Privatarchiv von Hans Morgenstern